Kurt Schwitters auf Speed

Rezensionen

Kurt Schwitters auf Speed

Fotos: Cyril Baldy, Yoko Ando

Ein Durchatmen war es, ein Pausenspiel, was Forsythe 2009 im Festspielhaus zur Uraufführung gebracht hatte. Diese Widergänger, „The Returns“ kehren nun an den Ort ihres Ursprunges zurück. Noch einmal ist der Irrwitz, der hemmungslose Gag zu erleben, der Mutlosen innerhalb kürzester Zeit die eigene Toleranzgrenze erkennen lässt. Diese Arbeit ist eben nichts für jeden. Definitiv nicht für jene, die den Kunstbegriff heilig sprechen wollen.

Hier wird Kunst noch gemacht, produziert. In der Ecke steht ein Plotter, der fleißig vor sich hinarbeitet. Eine kunstambitionierte Maniküristin zeigt dem Publikum, was Kunst ist. Kunst ist nämlich nicht Business. Punkt. Kunst ist Kunst. Aber was ist Kunst? Forsythe arbeitet wie schon so häufig mit digital verzerrten Stimmen seiner Tänzer und lässt die bekannten babylonischen Ergüsse ins Endlose laufen. Die haben aber eben stets ihren Bodensatz. Da liegt Gauguin eben in der Nähe von (Lady) Gaga. Das ist mehr als nur Unsinn. Der beste Moment der Arbeit ist dabei nach wie vor der Abgang Yoko Andos in Richtung Nancy-Spero-Saal mit den Worten „Ah, so much art in the other apartement. You must come and see!“ Nur, was das Publikum mit dieser Arbeit zu sehen bekommt, will eben jegliche bemühte Kunstproduktion gestisch unterlaufen. Forsythe tut das, indem er in einer einzigen Bewegung durch die Kunst- und Kulturgeschichte rutscht. Da werden in unsicher verwackelten Tableaus Szenen spätmittelalterlicher Ikonenmalerei zitiert. Da legt sich Cleopatra die Schlange an den Busen, um im Anschluss von Octavian ins Off gezerrt zu werden. Respektlos könnte man das nennen. Ist es aber nicht. Es ist das Forsythsche Augenzwinkern.

„The Returns“ ist so voll von Anspielungen, Zitaten und komischen Elementen, dass ruhigere Momente fast nicht passen wollen. Ganz hinten, weit entfernt vom Publikum performen einige Tänzer zu den sich überlagernden Geräuschen mehrerer Tischtennisspiele. Und das alles in einer künstlich geschaffenen Guckkastenbühnensituation: Forsythe hat in den Großen Saal des Festspielhauses einen kleineren Raum gebaut, der sich nach hinten, ins Dunkel, unendlich zu öffnen scheint. Von dort kommen die schrägsten Figuren und halten genussvoll die Ränder der Kunst hoch.

Weitere Vorstellungen im Festspielhaus Hellerau: 31. Oktober, 1.-3., 6.-10. November, jeweils 20 Uhr

31.10.2013Rezensionen