Aber es ist doch nur Clueso…

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Aber es ist doch nur Clueso…

Er macht Reggea, Pop, akustische Gitarrensounds, Hip Hop. Das Album von 2010 war eine Neuaufnahme mit der STÜBAphilharmonie, hier fließt moderne Orchestermusik mit klassischer Note reibungslos in PopRock ein. Für seinen Stilmix ist Clueso bekannt und innerhalb Deutschlands einer der beliebtesten Popkünstler. In seinen Texten bespricht der Erfurter Alltagsthemen, die ein überwiegend (aber nicht ausschließlich) junges Publikum anziehen. Mit massentauglicher Musik, deren ständige Neumischung der Stile der Fantasie keine Grenzen setzt. Und mit Texten, die häufig nur von sehr speziellen Situationen, Gefühlen, Gedankengängen handeln. Popkult mit Mehrwert?

Fotos: Maria Funk

In Dresden stellte Clueso sein neustes Album „An und für sich“ vor, nachdem das Konzert, das ursprünglich im Februar stattfinden sollte, aus Platzgründen vom Schlachthof in die Messehalle verlegt worden war. Diese war mit Tausenden seiner Fans gefüllt, die zunächst von der Vorband leider akustisch zu wenig Text verstehen konnten. Die Musik nahmen sie allerdings höflich auf. Prosa war dann sowohl Name als auch textliches Programm, die Musik des 21jährigen Nachwuchskünstlers stellt eine Mischung aus Folk, Pop und Rock dar. Sehr angenehm zu erleben waren die Musiker um Max Prosa und er selbst, die mit jugendlicher Unbekümmertheit ihre Freude am Musik machen zeigten.

Beatboxend hinter einem weiß durchschimmernden Vorhang sodann: Clueso, der eigentlich Thomas Hübner heißt. Und gleichzeitig Bässe, die in die Kniekehlen fuhren. Als der Künstler während einiger weniger Momente etwas ausgelaugt schien, sang das Publikum unbeirrt mit. Diese Texte, die beinahe wie Tagebuchauszüge anmuten, persönlich, nicht für andere bestimmt, weil diese sie nicht verstehen könnten, gingen gleichzeitig über hunderte Lippen. Clueso-Hörer sind und sind doch keine spezielle Zielgruppe. Sangen von einem „Ende ohne Zensur“ „Love the people und Respekt“, Anonymität, Liebe und Drogenkonsum. Ist das noch anspruchslose populäre Mitläuferschaft oder bloße Identifikation mit authentischen Texten zu ansprechender Musik?

Mit Variationen von schon bekannten und älteren Stücken traf der Sänger den Nerv der Fans, die ob der weniger elektronisch angehauchten „guten alten“ Rockmusik mehr Freude zeigten. Ehrliche Freude an der Musik sah man auch den Musikern an. „Es sind so viele Leute hier, ich hab immer das Gefühl, nach uns müsste noch jemand kommen, aber es ist nur Clueso.“ Eine riesige Halle voller überwiegend weiblicher Menschen bejubelten nach gut zwei Stunden und drei Zugaben ihren Helden des Abends.

30.04.2011Neue Aufnahmen, Rezensionen