
Die »Dresden Piano Academy« ist ein Meisterkurs der Extraklasse für junge, besonders begabte Pianistinnen und Pianisten, die noch die Schule besuchen. Drei Hochkaräter der europäischen Klavierwelt, Prof. Bernd Goetzke (Hannover), Prof. Annika Treutler (Dresden) und Prof. Aleksandra Mikulska (Dresden) unterrichteten dieses Jahr vom 19. bis 22. Oktober in der Villa Rothermundt.
Aleksandra Mikulska, die den Meisterkurs maßgeblich initiiert und organisiert hat, verwirklichte damit die Idee der ersten Akademie dieser Art in Dresden. Neben zahlreichen Schülerinnen und Schülern des Sächsischen Landesmusikgymnasiums reisten junge Pianisten aus ganz Deutschland, Bulgarien, der Türkei und weiteren Ländern an, um in diesen vier Tagen intensiv an ihren künstlerischen Fähigkeiten zu feilen, neue Impulse zu erhalten, sich zu vernetzen und sich in Konzertabenden zu präsentieren. Neben Unterricht und Übemöglichkeiten wurde die Akademie bereichert von einem Vortrag über Übemethoden von Oriol Plans-Casal sowie von Beratungen zu einem späteren Hochschulstudium.
Das Eröffnungskonzert fand letzten Sonntagabend im Chinesischen Pavillon am Weißen Hirsch in Dresden statt. Im zweiten Konzert im Bechstein-Centrum im Coselpalais durfte das Publikum mit Blick auf die Frauenkirche die frischen Interpretationen der jungen Künstlerinnen und Künstler genießen. Unter anderem bekam das Publikum hier den ersten Satz aus Beethovens später As-Dur Sonate Op. 110 zu hören – gespielt vom Zehntklässer Illia Zhao. Rührend zu hören, wie die ganz persönliche Klangfantasie des Interpreten mit dem Notentext von Beethoven in Resonanz getreten ist. Illia: „Um der Musik näherzukommen, sind zwei Aspekte wichtig: die selbstständige, innerliche Beschäftigung mit dem Werk, zum anderen die Impulse von außen. Zum Beispiel von den Noten, von Lehrern und auch vom Publikum.“ Das Sammeln von Konzerterfahrung und der Kontakt mit dem Publikum sei für junge Künstler besonders wichtig, so Prof. Annika Treutler. Die musikalisch unverstellten Blicke, dieses neugierige Hineinblicken in die Werke und sie lebendig wiederzugeben, das wünschte Treutler allen Musikern. Und das war zu hören!
Einen nicht nur durch das Ambiente krönenden Abschluss der Akademie bildete das Konzert am Donnerstag im Lingnerschloss. Die musikalische Nachwuchsgeneration in diesem prächtigen Saal mit Meisterwerken der abendländischen Musik zu erleben, ließ die Herzen der anwesenden Kunstliebhaber höherschlagen.
Bernd Goetzke erinnerte sich im Gespräch, dass sein eigener Werdegang aus lauter glücklichen Zufällen bestand. Mit der systematischen Frühförderung begabter junger Menschen möchte er diese Zufälligkeit reduzieren und ermöglichen, dass die vorhandenen Talente entdeckt werden, dass Freiräume geschaffen werden, diese zu entwickeln. Man könnte das eine Form der Inklusion nennen – die Inklusion außergewöhnlicher Begabungen. Denn Chancengerechtigkeit bedeutet auch, junge Menschen dort abzuholen, wo ihre Fähigkeiten besondere Herausforderungen verlangen. Wer jedem Kind gerecht werden möchte, darf gerade jene nicht übersehen, die nach mehr verlangen: nach anspruchsvolleren Aufgaben, neuen Perspektiven und der Begegnung mit Künstlern, die sie auf ihrem Weg ein entscheidendes Stück weiterbringen können.


Was ist eigentlich das Besondere an einer Akademie oder an einem Meisterkurs? Wie unterscheiden sich der regelmäßige Unterricht bei den Hauptlehrern zu den zeitlich kompakten, intensiven Unterrichten im Rahmen eines Meisterkurses? „Besonders neue Interpretationsideen und frische musikalische Inspirationen sind es, die ich in dieser Woche mitgenommen habe. Spieltechnische Dinge sind eher was für den langfristigen, kontinuierlichen Unterricht“ – so Sophia Kratschkowskaja, eine Teilnehmerin der Akademie und Schülerin der zwölften Klasse des Dresdner Landesmusikgymnasiums.
Auch Goetzke bestätigte: Je kürzer die gemeinsamen Arbeitsphasen, desto mehr stehen das Werk und seine Interpretation im Mittelpunkt. Besonders in der Arbeit mit jüngeren Künstlern nähert er sich dem Werk über ihre Geisteswelt und Fantasie. Die Vorstellungskraft der jungen Menschen sei es, welche selbst einem „alten Silberrücken“ (wie er sich schmunzelnd selbst bezeichnet) die vollste Aufmerksamkeit abverlange.
Sind sie traurig, diese Konzerte verpasst zu haben? Keine Sorge – bereits am kommenden Donnerstag, dem 29. Oktober, um 18 Uhr lädt das Sächsische Landesgymnasium für Musik zum Konzertpodium Klavier und Streicher in die Villa Rothermundt, Mendelssohnallee 34 in Dresden-Blasewitz, ein. – kommen Sie vorbei und genießen sie ein hochwertiges Kammerkonzert mit Schülerinnen und Schülern des Landesmusikgymnasiums in gemütlichem Kreis!
Max Hampl