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Mit dem Teufel tanzen

Mit dem Klarinettisten, Komponisten und Dirigenten Jörg Widmann hat sich die Sächsische Staatskapelle für einen vielseitigen Capell-Compositeur und -virtuosen entschieden (Foto: Jörg Simanowski)

Im Weber-Jahr einen Klarinettisten nach Dresden zu holen, ist keine schlechte Idee. Mit Jörg Widmann wurde zudem ein bekennender Weber-Fan gewonnen, der in seinem Antrittskonzert als Capell-Compositeur und Capell-Virtuos der Sächsischen Staatskapelle das eigene kompositorische Schaffen ganz bewusst ins Verhältnis zum Werk des vor 200 Jahren verstorbenen einstigen Hofkapellmeisters setzt.

»Wenn mich die Staatskapelle schon einlädt, im Weber-Jahr nach Dresden zu kommen, dann war natürlich klar, dass wir Weber machen würden, zumal ich Weber wirklich liebe und ich ihn, wenn nötig, auch sehr verteidige. Ich habe mich entschieden, sein Klarinettenquintett, das mir besonders ans Herz gewachsen ist, jetzt in der Orchesterfassung aufzuführen.«

Jörg Widmann kombiniert dieses Quintett mit zwei eigenen Werken, dem schattenhaft abgründigen – und damit Carl Maria von Webers Romantik in besonderer Weise nahestehenden – »Danse macabre« von 2022 sowie der bereits 1993 entstandenen Fantasie für Klarinette solo. Den Schlusspunkt des von Widmann sowohl dirigierten als auch moderierten Konzerts unter dem Titel »Romantik pur! Mit dem Teufel tanzen« setzt Felix Mendelssohn Bartholdys sogenannte »Reformations-Sinfonie«.

Der 1973 in München geborene Jörg Widmann ist in Dresden zwar kein Unbekannter, doch seit der Aufführung seines frühen Cellokonzerts durch Jan Vogler gab es kaum mehr Kontakte mit der Kapelle. Umso mehr freut sich das Multitalent – er wirkt als Klarinettist, Komponist, Dirigent, Dozent und obendrein als Kolumnist der Neuen Musikzeitung – auf seine säächsische Residenz.

»Mir ist das wirklich, auch wenn es ein etwas altmodisches Wort ist, eine sehr große Ehre, mit diesem fantastischen Orchester diese Saison gestalten beziehungsweise mitgestalten zu dürfen, darauf freue ich mich ungeheuer, das ist in meinem Leben etwas ganz besonderes.«

Die Personalunion von Klarinettist und Komponist, von Virtuos und Compositeur kommt dabei nicht von ungefähr: »Bei mir fußt alles auf der Klarinette. Ich habe mit sieben Jahren angefangen, Klarinette zu spielen, und kurz danach mit dem Komponieren begonnen. Später kam das Dirigieren hinzu.« Heute sei das vielleicht etwas ungewöhnlich, meint Widmann, aber bis Mitte des 19. Jahrhunderts wäre es wahrscheinlich gar nicht sonderlich erwähnt worden, weil es damals völlig normal gewesen war.

Nachdem das Eröffnungskonzert musikalisch bis zur Romantik zurückgeht und zentral mit reichlich Moderne gewürzt ist, also von Weber über Widmann bis Mendelssohn reicht, dürfte auch die Fortsetzung von Widmanns Kapell-Residenz durchaus als  Herzensangelegenheit gesehen werden. Das Programmieren bedeute für den Künstler im Wortsinne, wie er sagt, »auch Komponieren, ein Programm zusammensetzen, es komponieren.«

So steht auf gemeinsamen Wunsch von Orchester und Capell-Virtuos-Compositeur eine enge Zusammenarbeit mit den Akademisten der Staatskapelle an. Chefdirigent Daniele Gatti wird später dann Widmanns »Lied für Orchester« mit Gustav Mahlers »Lieb von der Erde« verbinden, eine bemerkenswerte Kombination wohl nicht nur für den Komponisten. »Außerdem werde ich mein 8. Streichquartett orchestrieren und es in dieser neuen Bearbeitung als Uraufführung herausbringen.«

Die Programme stehen also längst fest, Jörg Widmann blickt erwartungsfroh auf seine Dresdner Doppelfunktion, in der weder der Komponist ohne den Klarinettisten, noch der Klarinettist ohne den Komponisten denkbar wäre.

»Ich freue mich tatsächlich auf die ganze Saison. Aber vor allem muss ich sagen, dass sich die verschiedenen Funktionen und Arten des Musikmachens gegenseitig befruchten. Also die Tatsache, dass ich gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern atme, wenn ich dirigiere, das geht gar nicht anders, schon weil ich Bläser bin. Für mich ist ein Ton ein Lebewesen, etwas Physisches, Haptisches, ein Klang.«

Während Jörg Widmanns Dresdner Residenz dürfte daraus eine vielfältige Klangfülle erwachsen, denn neben einem ausführlichen Porträtkonzert, das wie gehabt im Festspielhaus Hellerau stattfinden wird, sind auch ein Widmann-Rezital sowie ein Sinfoniekonzert angekündigt, darüber hinaus seine Mitwirkung beim Symposium »Beethoven: Unser Zeitgenosse« und nicht zuletzt die Uraufführung zum Festival »Beethoven. Vier Tage. Neun Sinfonien.«

Sonderkonzert im Dresdner Kulturpalast. Sonntag, 20.9.2026, 19 Uhr

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