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Pianist Boris Giltburg wieder in Dresden

Er ist Artist in Residence der Dresdner Philharmonie und verspürt eine musikalische Freundschaft mit dem Orchester. Jetzt kommt Boris Giltburg zu weiteren Konzerten in den Kulturpalast (Foto: Sasha Gusov)

Der 1984 in Moskau geborene Pianist Boris Giltburg ist ein von Publikum und Presse in aller Welt gefeierter Künstler. In Dresden konnte er schon zum wiederholten Mal begrüßt werden. Kürzlich gab er sein Debüt beim Leipziger Gewandhausorchester, nun kommt er bald wieder zur Dresdner Philharmonie in den Kulturpalast. Hier gilt er fast schon als regelmäßiger Gast des Orchesters. Und auch des Hauses: 2024 weihte er hier sogar den neuen Konzertflügel ein, einen Steinway, versteht sich. Ausgewählt hatte er ihn seinerzeit höchstpersönlich beim Hamburger Produzenten.

»Also meine Beziehung zu Dresden und zur Dresdner Philharmonie ist sehr eng, ich glaube, es gibt nur sehr wenige Städte in der Welt, wo ich so oft gewesen bin. Inzwischen jetzt fühle ich mich hier wirklich zu Hause.« Zu Hause in Dresden. Boris Giltburg ist mit seiner Familie bereits im Kindheitsalter aus Moskau nach Israel gezogen, heute lebt er in London, was das Reisen (nicht zuletzt auch nach Dresden) deutlich erleichtert.

»All diese Auftritte mit der Philharmonie haben für eine große Nähe gesorgt, ich glaube, es ist eine musikalische Freundschaft. Wir haben so viel Verschiedenes zusammen gespielt, von Mozart bis Prokofjew und Ravel, nun kommt auch noch Gershwin, ja, ich freue mich sehr auf dieses Zusammenspiel.«

Was ganz gewiss an der harmonischen Zusammenarbeit zwischen dem sympathischen Solisten und dem Dresdner Orchester liegt. Boris Giltburg bekennt, dass er die Philharmonie außerordentlich schätzt: »Für mich ist der Klang der Dresdner Philharmonie ein wenig wie ein Ölgemälde. Sehr reich, außerordentlich inhaltsvoll, es hat so eine Wärme, die ausstrahlt und die ich sehr liebe. Aber da wir zum Beispiel auf unserer Tournee Mozart spielten und zuvor hier in Dresden schon Beethoven, da sah ich, dass sie auch sehr transparent spielen können. Sehr vielseitig, vielleicht mit einem Schwerpunkt auf dem Repertoire von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.«

Eine Eloge also auf das Dresdner Orchester, ausgesprochen von einem Weltklasse-Künstler, der schon mit vielen Klangkörpern gearbeitet hat. Er unterstreicht: »Ich glaube, das Orchester kann wirklich alles spielen. Ja, dieser Vergleich mit dem Ölgemälde, der bestätigt sich für mich selbst jedesmal, wenn wir zusammenspielen.«

Am zweiten April-Wochenende stehen nun gleich drei Konzerte mit dem Artist in Residence auf dem Programm. Neben einer Cello-Matinee, in der ein wertvolles Instrument des Italieners Santino Lavazza aus dem 18. Jahrhundert wieder nach Dresden zurückkehrt, will Giltburg auch in George Gershwins Concerto in F für Klavier und Orchester brillieren. Darauf einstimmen will er schon am Abend zuvor in der Reihe Abgefrackt, einem Kurzkonzert für Leute, die sich an die Klassik vielleicht erst noch herantasten wollen, die wenig Zeit haben und in legerer Kleidung kommen. Boris Giltburg mag solche Formate. 

»Ich finde die ganz super, es ist eine große Leidenschaft auch von meiner Seite. Die klassische Musik, die meine größte Liebe ist, mit so vielen Menschen zu teilen als nur möglich. Ich glaube, solche Konzerte, die vielleicht etwas zugänglicher sind, stehen für eine gute Idee. Es ist immer wieder eine Freude, neues Publikum zu inspirieren.«

Da sieht sich der Interpret also nicht nur als Künstler, sondern als Mittler: »Ich glaube, klassische Musik ist nicht langweilig oder zugeschlossen. Es gibt unglaublich viele Werke, die ganz zugänglich sind und einen sofort packen können. Es muss auch Raum geben für ein Publikum, das die Musik genießen möchte und irgendwelche Regeln vielleicht nicht so gut kennt.«

Dieser Genuss soll aber nicht nur im Konzertsaal zu erleben sein, sondern kann auch im privaten Raum stattfinden, gar keine Frage. Erst kürzlich hat Boris Giltburg eine neue CD vorgelegt, die genau dazu einlädt. Eine reine Rachmaninow-CD, für den Pianisten ein Liebesdient:  »Ja, ich liebe Rachmaninow fast über alle anderen Komponisten. Ich hatte zum ersten Mal ein Stück von ihm mit acht Jahren gehört, meine Großmutter spielte eine Auswahl seiner Werke am Klavier – ich verliebte mich sofort in diese Musik. Bis heute ist meine Liebe zur Musik von Rachmaninow unglaublich stark und präsent geblieben, ich möchte alle seine  Klavierwerke aufnehmen.« Das Publikum darf sich also auf weitere Rachmaninow-Alben von Boris Giltburg freuen. Darunter auf einige Kompositionen, die Sergej Rachmaninow in Dresden komponiert hat. Dieser Umstand vermittle dem Interpreten ein besonderes Gefühl, wie er sagt: »Aber nicht nur, weil er hier lebte, sondern weil er hier auch sehr glücklich war. Die Jahre in Dresden waren für ihn sehr fruchtbar und bereiteten ihm sehr viel Freude. Es tat ihm sehr leid, dass er diese Stadt nach fünf Jahren wieder verlassen sollte, er erinnerte sich bis ans Ende seines Lebens an diese Zeit.«

Boris Giltburg scheint es ähnlich zu gehen. Nach Dresden kehrt er stets gern wieder zurück.

Nächste Konzerte: 11. und 12. April im Kulturpalast

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