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Bombastisch und berührend

Das 5. Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle bescherte Dresden musikalische Sternstunden (Foto: Oliver Killig)

Ein Wiedersehen mit dem Ehrendirigenten Herbert Blomstedt, das ist in Dresden natürlich etwas ganz und gar Besonderes. Schließlich war der 1927 in San Francisco geborene Sohn schwedischer Eltern von 1975 bis 1985 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle. Bereits 1969 gab er sein Debüt bei diesem Orchester, das er heute – neben dem Leipziger Gewandhausorchester – am innigsten in sein Herz geschlossen hat. Kein Wunder also, dass die gleich dreifach gebotene Aufführung des 5. Sinfoniekonzerts jedesmal ausverkauft war. Dennoch mutet es geradezu wundersam an, dass der nunmehr 98jährige Maestro weit mehr als 300 Konzerte mit der Kapelle bestritten hat. Kann es eine innigere Verbindung geben?

Innigst scheint auch der Bezug zwischen dem Dresdner Publikum und Herbert Blomstedt zu sein. Im sonntäglichen Vormittagskonzert lag der Altersdurchschnitt deutlich über dem sonst üblichen Werten. Vermutlich wollten ihn viele seiner früheren Anhängerschaft noch einmal erleben. Die Abendkonzerte am Montag und Dienstag waren durchmischter, sorgten selbstredend aber ebenfalls für Beifallsstürme, stehende Ovationen und großes Erstaunen.

Denn die Frage, nein, das Wunder besteht doch darin: wie schafft es ein Mensch in diesem Alter, eine 80-Minuten-Sinfonie gleich dreimal hintereinander so wirkungsvoll umzusetzen? Woher diese absolut verinnerlichte Konzentration auf ein gigantisches Werk, das einen gewaltigen Spannungsbogen umfasst, der nur mit großem Atem bewältigt werden kann? Herbert Blomstedt setzt auf kleinste Gesten, spitzt den Zeigefinger der rechten Hand ins Orchester, dämpft oder steigert mit der Linken die Inbrunst des Klangkörpers, mitunter atmet er hörbar mit und verströmt so eine Energie vom Pult auf die Bühne, die umgehend klangvoll ins Publikum reflektiert wird und eindrucksvoll überwältigt.

Der schönste Effekt eines solchen Konzerts: das anhaltende Schweigen nach der großen Wucht des Finales. Waren es zwanzig, waren es dreißig Sekunden? Erst dann brach der Applaus los, orkanartig wurden Bruckner und Blomstedt gefeiert, sind die Solisten und Stimmgruppen des Orchesters für ihre Glanzleistungen bejubelt worden. Immer wieder kam der Maestro auf die Bühne – nicht, um sich feiern zu lassen, sondern um mit erhobener Faust und freundschaftlichem Winken seine tiefe Verbundenheit mit der Sächsischen Staatskapelle und ihrem Publikum zu bekunden. So klingen Sternstunden!

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