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Subtiler Freiheitsdrang

Die Sängerin und Songwriterin Anette Askvik hat vor wenigen Wochen zum vierten Mal in Dresden konzertiert. Ihr erster Longplayer, das Album „Liberty“, war dann mein Weihnachtsgeschenk – es überzeugt mit verspielt-kunstvoller Liedpoesie.

Auf dem Album  fasst Anette Askvik viele ihrer kleinen fragilen Gedanken und zarten Sounds in ein überraschend standhaftes Statement ihrer zwischen den Zeilen selbstbewussten Lebensphilosophie zusammen. Sehnsuchtsvolle Saxophonrufe ergänzen die minimalistischen Klänge vom das Album eröffnenden Liedes „Liberty“, in dem die norwegische Sängerin und Songwriterin den Status der Freiheit und Demokratie in unserer Gesellschaft hinterfragt. Auch der zweite Song darf in einem Nebel mehrerer Streichinstrumente und hauchiger Gesangsstimmen eine eher zarte Atmosphäre schaffen. Der Liedtext über einen Vogel, der die ganze Welt gesehen hat und dann eingefangen und zivilisiert wird, bricht an manchen Stellen allerdings trotzig hervor – Anette Askvik zeichnet mit ihren gesungenen Tönen wie auf einer Leinwand.

Musik wie ein Geschenk: Anette Askvik und ihr Album „Liberty“

Der Song April erinnert vom Songwriting und der Ausstrahlung her an erste Taylor Swift-Stücke und bringt mit einer von Anette Askvik zusammengestellten Soundcollage verschiedener Aufnahmen, die sie selbst in ihrem Alltag mitgeschnitten hat, einen ersten belebten kleinen Beat auf die Platte. Das Lied handelt vom Überstehen des Winters und von den ersten fröhlichen Gesängen des Frühlings. Die Art und Weise, in der dieser Song aufblühen darf, ist wunderschön und bietet Anettes ausdrucksvoller Stimme ein schönes Fundament.

Das Album „Liberty“ besingt, passend zu Anettes Stimmklang, zarte Wünsche, die aber einen festen Kern haben. So hat die norwegische Sängerin in das Lied „Under the tallest tree“ viele starke menschliche Emotionen in kleine Beobachtungen und Situationen um fallende Blätter unter Bäumen eingebunden. Fragil gesungen, aber kraftvoll ausgedrückt. Wer richtig hinhört, wird definitiv die intensive Wirkung dieser Songs spüren.

Manche Songs – wie „Blue Lights“ – leben von den Aufnahmen, für die die junge Norwegerin in ihrem Heimatland bekannt geworden ist: sie hatte es sich früh zum Hobby gemacht, mit einem Aufnahmegerät durch ihren Alltag zu gehen, und von Baustellen bis hin zu Geräuschen in der Natur Sounds einzufangen, die in den Liedern mit oder ohne Bearbeitung einen besonderen Sound abgeben. Gerade das auf Individuen von der Gesellschaft auferlegte Zwänge kritisierende Lied „Blue Lights“ erstrahlt in diesen schönen Klängen, und spielt sich in eine klanglich reizvolle, gut arrangierte Ekstase.

Das selbstbewussteste Lied auf der Platte ist der Song „Time to move on“, in dem Anette Askvik Trennung und die Sehnsucht zur befreienden Veränderung nach einer langen und scheinbar intensiven Beziehung ohne Aussicht auf Zukunft besingt. Über Farbmetaphern wechselt sie von den träumenden Strophen im Refrain immer in ihren realtitätsnahen Entschluss, sich nach vorn zu bewegen.

Anette Askvik hatte vor wenigen Wochen in Dresden ein umjubeltes Konzert in der Dreikönigskirche gegeben und einen ersten Ausblick auf ihr aktuelles Schaffen um den Klang von Sternen. Es ist ein unvergessliches Klangerlebnis gewesen. Ich hoffe, sie kommt bald wieder nach Dresden!

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