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Keine Angst vorm bösen Tiger

Fotos: PR

Dresden ist im Couscous-Fieber. Man sehnt sich nach mehr. Nicht nach der Mahlzeit, sondern nach dem „Delicious Acoustic Pop“ der Dresdner Band mit dem exotischen Namen: Couscous. Ein Duo mit authentischen Song-Ideen, das sich im letzten Jahr eine große, hungrige Fangemeinde zusammengespielt hat. 
Das CD-Release Konzert des Debut-Albums „Paper Tiger“ findet am Freitag, den 18.01.2013 (Einlass ab 20 Uhr) im Bärenzwinger statt. 

Über das Crowdfunding-Portal Startnext hat sich die junge zweiköpfige Band mit drei Instrumenten, einer Handvoll Gastmusikern, viel Fleiß und der Unterstützung von vielen neuen Fans ihren Traum von einem eigenen Debut-Album wahrgemacht, das am 18. Januar im Abendkonzert im Bärenzwinger Dresden veröffentlicht wird. Den Weg zum Ziel sind die beiden im Laufe der 60 Projekttage nicht allein gegangen, sondern mit knapp 100 Unterstützern. Vielleicht aus diesem Grund hat sie der Zeit- und Geldaufwand hinter dem Projekt nicht verscheucht. Dem bösen Tiger ins Auge blickend, entlarvten Tine Schulz und Moritz Eßinger die vermeintlichen Hindernisse bald als zahmen „Papiertiger“. Dieses brüllende Möchtegern-Raubtier wurde, passend zum sehr gelungenen Layout und Design der CD, gleich zum geschmeidigen Titellied. „I tell you it´s a paper tiger – sitting in the back of your mind. Paper tiger – whistling and giggling and wondering what´s there to find.” 


Mit Witz und Charme, greifbaren poetischen Vergleichen und zwischen den Fingern zerrinnenden Sehnsüchten liefern Couscous nicht nur körnigen Hartweizengries, sondern auch frische Beilagen und musikalische Geschmacksverstärker der unterschiedlichsten Art. Mal entführen sie in ein Märchen, mal versuchen sie sich vor den lockenden Sehnsüchten junger Liebe zu verschanzen. In einer an Tori Amos erinnernde Klanglandschaft spürt man die federleichte Sehnsucht von »Feathers«: „It´s haunting me […] so tonight I’m off to the hills.“ Eine noch lange nachhallende, ganz konträre Aussage könnte „Shouldn´t I hear you say There´s nothing better than today“ vom fesch provozierenden, fliehenden Angsthasen in »Scaredy Cat« sein. Es geht aber noch kontrastreicher. Neben einer Bitte nach Zeit in »Come, Come«, gibt es auch zugleich das Gegenteil auf die Ohren: das potentielle Lieblingslied mit dem rhythmischen Etwas präsentiert ein fesches 2013er-»Rapunzel«, was nicht warten will und keine Zeit hat.

Auf der CD sitzen insgesamt 10 gut gelaunte Songs in den Startlöchern. Und jedes klingt anders. Es warten somit 36 pfiffige, luftig-lockere, verträumte, entspannende, aber auch dynamisch-fordernde Minuten, die das Leben in all seinen Facetten schreibt. Für das Dresdner Duo, in dem beide Musiker ihr Talent autodidaktisch entwickelt haben, scheint der Text einen besonderen Stellenwerk zu haben. Intelligente Stories, inspirierende Metaphern und märchenhaft schöne Vergleiche paaren sich auf „Paper Tiger“ mit poetischen Seufzern, die aus einem lebensechten Moment erwachsen zu sein scheinen. Marion N. Fiedler hat die Band für ein Interview getroffen.

Wer seid ihr, beziehungsweise wie habt ihr euren Namen gefunden? 

Moritz: „Das fragt man uns ganz oft. Wir sind Couscous. Uns gefällt an dem Wort der Klang und das Visuelle, wenn es ausgeschrieben ist. Die Idee, es zum Bandnamen zu machen kam uns spontan. Wir haben uns konkret nichts dabei gedacht, mochten es aber gleich beide, als es das erste Mal im Gespräch fiel. Es ist ein bisschen exotisch, wie vielleicht auch unsere Musik.“ 

Tine: „Genau, außerdem steckt da noch etwas dahinter. Die Wiederholung des Teilwortes cous weist darauf hin, dass wir ein Duo sind. Couscous besteht aus Tine Schulz am Gesang und Moritz Eßinger an Klavier und Gitarre.“

Wie lange gibt es euch bereits, und welche Highlights hat Couscous in dieser Zeit bereits erlebt? 

Tine: „Uns gibt es seit Frühjahr 2011.“

Moritz: „Und wir hatten eigentlich nur Highlights. Bei unserer ersten Probe fanden wir heraus, dass uns etwas Besonderes verbindet. Der kreative Prozess, der da angestoßen wurde. Es war mehr als Jammen, hat für uns beide perfekt gepasst.“ 

Tine: „Ein weiteres Highlight war unser Aufenthalt in Tschechien, wo wir über einen Freund eine Woche lang ungestört proben konnten. In kurzer Zeit haben wir viel Material geschrieben. Der erste Auftritt, gleich vor Ort in Tschechien, im Ausland, das war besonders. Völlig unbekanntes Publikum. Es war ein Kurort, das Haus war voll, und alle waren in einer entspannten Stimmung. Die Leute kamen ganz ruhig und brav ins Konzert hinein und nachher waren sie so sehr begeistert. Selbst die älteren Konzertbesucher standen lange Schlange, um mit uns zu sprechen. Das hat mich berührt.

Wann kam euch die Idee, euer erstes Album aufzunehmen?

Moritz: „Das war in der Woche in Tschechien. Der kreative Output war enorm, wir haben noch gar nicht alles verarbeitet, was dort entstanden ist. Wir spürten, dass wir jetzt unseren Stil gefunden haben. Seither fühlen wir uns freier und forcieren beim Spielen nicht mehr. Musizieren aus der Seele heraus. Es läuft irgendwie von selbst. Unser beider Stile haben sich in Tschechien zu einem ergänzt.“

Welche Stilistiken bringt jeder einzelne von euch ein?

Tine: „Man kann nicht sagen, dass der eine nur das und der andere eben ganz andere Musik macht, eigentlich können wir keine Stile definieren. Wir spielen eine Art Akustik-Pop, den wir fühlen. Es ist irgendwo dazwischen. Auf der Website schreiben wir immer „Delicious Acoustic Pop“. Zugegebenermaßen, eigentlich beschreibt das gar nichts, aber es ruft ein angenehmes Gefühl hervor. So empfinden wir auch unsere Songs.“

Moritz: „Wir haben in anderen Bands bereits Erfahrungen sammeln können, und von Pop bis Rock alles mal gesungen und gespielt. Es ist ein spannendes Gemisch. Uns geht es natürlich nicht um Stile, sondern um die Musik an sich. Was uns wirklich verbindet, ist die emotionale Ebene. Wir haben das rausgefiltert, was aus uns herauskommt, wenn wir lange miteinander spielen, und uns beide durch gegenseitige Kommunikation so richtig ins Zeug legen.“

Tine: „Nur wenn es allzu balladesk wird, schreite ich ein!“

Wie seid ihr den Schaffensprozess des ersten eigenen Albums angegangen?
Moritz: „Zuerst einmal haben wir über die Finanzierung nachgedacht. Wir kamen bald zeitgleich, aber durch unterschiedliche Quellen inspiriert auf die Idee, eine Crowdfunding Aktion zu starten. Als dann auch noch klar wurde, dass es „Startnext“ gibt und die Initiatoren aus Dresden kommen, wussten wir, an wen wir uns wenden müssen. Wir hätten nie gedacht, dass wir das gesamte Album darüber finanziert bekommen, aber es lief halt richtig gut. Daher konnten wir auch nach 2 ½ Monaten nach London fahren, um dort die Platte aufzunehmen.“ 


Schreibt ihr eure Musik selbst? 

Moritz: „Ja! Alles. Man kann schon fast sagen, die Musik schreibt sich von selbst, aber nur in unserer Gegenwart. Es dauert manchmal nur zehn Minuten und schon ist der Song fertig. Der Song passiert einfach in a heart beat – da fragt man sich hinterher, wo kam der jetzt her?“

Tine: „Wir haben natürlich unsere Einflüsse. Ich denke die CD klingt an manchen Stellen wie Pop à la „A Fine Frenzy“, „Regina Spektor“ oder „Tori Amos“. Nur dass wir wir sind, ein Dresdner Duo.“


Wer schreibt die Arrangements?

Moritz: „Die Abläufe legen wir gemeinsam fest und besprechen die Einzelheiten. Den größten Teil der Instrumentalarrangements mache ich als Pianist selbst. Wenn wir mal Streicher oder andere Instrumente auf das Lied arrangieren, mach ich die Vorarbeit und Tine gibt dann dazu ihr ok. Wir versuchen nicht nur in der Musik, sondern auch ganz im Allgemeinen alles selbst zu machen. Wenn wir wirklich mal jemanden finden sollten, der seine Arbeit gut macht, dem wir vertrauen, dann haben wir kein Problem, diese Person mit seiner oder ihrer Expertise ins Boot zu holen. Der Ansatz und das Besondere von unserem Projekt ist, dass wir viel Persönlichkeit hineingeben.“

Und wo kommen die Texte her?

Tine: „Ich schreibe die Texte selbst. Ich hole mir die Inspiration aus Filmen, zwischenmenschlichen Situationen, etwas worüber man viel nachdenkt, Themen, die Freunde gerade bewegen. Im Prinzip sind es Alltagssachen, im Kontakt mit der Welt entstehen dann ganz viele Sachen. Ich find es auch ganz gut, wenn es um verschiedene Themen geht. Ich höre oft auch nur auf die Musik die mir Moritz vorspielt, und lausche mir das Thema raus. Zum Beispiel bei »Scaredy Cat«, da war mir klar, es muss ein ironischer, leicht witziger Text sein. So kommt das Thema dann fix zu mir und ich nehme mir immer im Anschluss die Zeit, dieses weiter auszuarbeiten. Aber grundsätzlich, die Musik ist immer zuerst da. Und dann hör ich, worum es geht.“

Wie viel Person bzw. Persönliches, und wie viel Fantasie, Story, Ausgedachtes stecken in den Songs?

Tine: „So genau hab ich darüber noch gar nicht nachgedacht, denn wir schreiben ja über das Leben, und das Leben besteht irgendwie aus allem, was du gerade genannt hast. So zum Beispiel unser Sommerlied. »Summer Breeze« ist eine Mischung zwischen Erlebnis und Sehnsucht, einem Idealbild. In dem Song geht es einfach um eine relaxte Stimmung, die ein schöner Sommertag mit sich bringt. Als Moritz mir das erste Mal das Riff vorgespielt hat, dachte ich sofort an ein flirrendes, schwebendes Gefühl, zu dem einfach nur der Sommer passt. Der Refrain klang für mich auch nach Loslassen und „In-der-Hängematte-liegen“.


In den Liedtexten besingt ihr aber auch zwei Märchenfiguren, Rapunzel und Schneeweißchen… 
Tine: „Es sind zwei Märchenfiguren auf der CD, das kam aber eher durch Zufall zustande. »Snow White«, den ich als einen von unseren schönsten Songs empfinde, war mir klar, braucht einen besonderen Text, als ich Moritz Klavierspiel gehört habe. Durch diese Melodie im Anfang hatte ich das Gefühl, dass es Eiskristalle sind. Zuerst dachte ich da halt an Schneeweißchen. Daraufhin habe ich das Märchen auch gleich noch einmal gelesen. Mir wurde klar, dass ich die Storyline gar nicht so genau kannte. Die Person vom Schneeweißchen hat mich derart fasziniert, daß ich sie für den Song gewählt habe. So wie das Lied ausgeschmückt ist, habe ich mir den Charakter vorgestellt. Sie ist eng mit der Natur verbunden, verschmilzt mit dem Rückzug in eine faszinierende Simplizität, ist eins mit sich selbst. Und dann ist da ja noch unsere Turmprinzessin: In »Rapunzel« ist die Metapher, dass ich mich von einer wartenden, braven Frau abgrenzen möchte. Ich bin nicht diejenige, die im Turm sitzt und wartet. 

Die Crowdfunding-Idee ist sehr erfolgreich gewesen. Könnt ihr uns von euren Erfahrungen berichten? 

Moritz: “Crowdfunding heißt, dass eine 'crowd', also mehrere Leute um dich herum, dir bei der Umsetzung deines Projektes helfen. Das hat nichts mit Almosen zu tun, sondern hier geht es um eine Art Vorschussleistung. Zum Beispiel haben unsere Fans die entstehende CD somit im Vorhinein gebucht und somit auch reserviert. Und wenn aus dem Projekt nichts werden sollte, hat der Unterstützer auf "Startnext" die Garantie, dass nach Ablauf der Frist das Geld zurückgezahlt wird. Um Ostern rum habe ich mich hingesetzt, habe aus dem Bauch heraus den Crowdfunding-Text erst mal ganz frei runtergeschrieben. Die erste Fotosession konnten wir nur unter totalem Zeitdruck machen. In Vorbereitung dieses eher hektischen Termins mit dem Fotografen hatten wir erste Papierschnitte für die Fotos ausgeschnitten. Statt richtigen Instrumenten hatten wir ein Mikro, ein Klavier und so weiter aus Papier. Das war eigentlich nur eine spontane Sache, die ja aber später zum Konzept geworden ist.“

Tine: „Mit dem Thema Zeit und Crowdfunding ist das so eine Sache.“

Moritz: „Ja, es ist schwierig. Man hätte eigentlich pro Projekt drei Monate. Auf Startnext haben wir uns aber bewusst nur zwei Monate gegeben, denn wir wollten ja vor Weihnachten das Album veröffentlichen. Wir haben viele Leute angesprochen. Leute auf der Straße, für die wir Musik gemacht haben. Presse und Medien. Freunde und Familie, und so weiter. Uns ist dabei natürlich aufgefallen, dass die Leute am liebsten spenden wollten, wenn sie das Produkt bereits in irgendeiner Weise spüren konnten.“

Tine: „Zum Beispiel in dem Moment, wo wir auch Musik gemacht haben, da haben die Leute dann gespendet. Wie im Konzert. An einem Wochenende haben wir zwei Auftritte gehabt, diese zwei Konzerte haben uns für die Crowdfunding-Aktion über 1000 Euro zusätzlich gebracht. Da war es zum Beispiel ganz großartig, dass nach dem Konzert jemand zu uns gekommen ist, der als Weihnachtsgeschenk für seine Kunden über das Portal 30 CDs für seine Firma gekauft hat. Und es hat uns fokussiert und terminlich auch unbedingt bis Weihnachten festgelegt. Denn zu dem Zeitpunkt wollte er sie ja bereits verschickt wissen!“

Moritz: „Erst einmal hört sich ein Jahr total locker an, aber es war zu dem Zeitpunkt noch soviel Arbeit vor uns, zwei Monate waren weg wie nichts. Wir wollten es ja aber auch so, unser Konzept und diese besondere Aufgabe in die Tat umzusetzen.“ 

Tine: „Wir würden das jederzeit wieder machen. Es geht keinesfalls um ein Eintreiben von Geld, sondern es ist ein Marketing-Instrument, an dem auch die Band lernt. Man muss in wohlformulierten Texten in kurzen Worten klarmachen, was das Projekt besonderes beinhaltet. Außerdem bindet es terminlich an eine Abgabe an Leute, die sich bereits auf die CD freuen. Die Leute die dahinterstehen, haben mich enorm motiviert. Aber auch die Leute bei Startnext an sich haben uns total unterstützt! Die waren dann plötzlich da und haben uns mitgeteilt, dass sie es toll finden, was wir da machen, und haben uns für Interviews vorgestellt, waren beim Konzert, … also ich finde es sind tolle Leute, die da arbeiten!“

Am 18. Januar ist ja eure Release-Party im Bärenzwinger. Ab 20 Uhr ist Einlass und 20.30 Uhr wird die Vorgruppe NO KING NO CROWN spielen. Was erwartet den Zuhörer an dem Abend des CD-Release-Konzertes denn so?
Moritz: „Das besondere ist, dass wir obwohl wir eigentlich ein Duo sind an dem Tag mit Bass und Schlagzeug spielen. Wir wollen den Leuten auch immer mehr bieten als Musik. Der Abend wird mit 5€ Eintritt auch ganz besonders vielseitig werden. Wir haben Sachen drumherum organisiert. Ein bunter Abend, sehr vielseitig, viele Überraschungen. Es geht auf der Bühne hauptsächlich um die PAPER TIGER songs, sondern es werden auch andere neue Lieder aufgeführt. Und: es gibt Couscous!“

Vielen Dank für das Gespräch.

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