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Neue Pfeifen für Dresden

Foto: M.M.

Das ist die Krönung: Nach mehrjähriger Schließung sind die Pforten des Dresdner Kulturpalastes inzwischen zwar wieder geöffnet, bereichern Philharmonie, Städtische Bibliotheken und das Kabarett Herkuleskeule das künstlerische Leben der Stadt, aber wie eine Baustelle wirkt der quasi-kommunistische Musentempel noch heute. Die Fahnenmasten davor werden noch restauriert, das Büro für die Bewerbung als Kulturhauptstadt soll auch bald öffnen – und im Herzen des Hauses, im neuen Konzertsaal, wird derzeit die neue Eule-Orgel intoniert. Am 8. September soll ihre festliche Weihe erfolgen.

Seit Wochen schon, als zu Beginn des Sommers auch die Verwaltung der Philharmonie vom Waldschlösschen-Areal wieder ins Stadtzentrum zog, wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Intendantin Frauke Roth zu Ohrenzeugen dieses Prozesses. „Ich glaube, dass ich gerne und mit Stolz sagen kann, dass die Dresdner Philharmonische Familie ein neues Mitglied hat“, verkündete sie am Montag bei einer ersten Vorführung des Instruments. „Die Königin der Instrumente, diese Konzertorgel stößt dazu und verspricht hinsichtlich der Programmatik und hinsichtlich der Integration in diesen Saal wirklich noch mal ein Ausrufezeichen.“

In besonderer Weise zu verdanken ist dieses „Ausrufezeichen“ dem unermüdlichen Lutz Kittelmann, seines Zeichens Geschäftsführer des um die Philharmonie bemühten Fördervereins. „Ein Saal ohne Orgel, das ist ein Eulenspiegelstreich!“, wetterte er noch einmal wider den kommunalen Kleingeist, der zu Zeiten von Ex-Oberbürgermeisterin Helma Orosz den Umbau des Konzertsaals im Kulturpalast tatsächlich ohne Pfeifen vorsah. Genauer: im Budgetplan für den umzubauenden Palast war die Orgel von der Stadt schlicht vergessen worden – was offenbar erst auffiel, als sich die Architekten für die Feinplanung nach der Kubatur des vorgesehenen Instruments erkundigten.

Nun aber hat Dresden jede Menge neue Pfeifen. Genau 4.109 an der Zahl. Orgelpfeifen, wohlgemerkt. Angefertigt von der Firma EuleOrgelbau GmbH Bautzen. Das Geld dafür hat Kittelmanns Förderverein in aller Welt eingesammelt: mehr als 1,1 Millionen Euro sind für die Orgel gespendet worden. Weitere 300.000 Euro gab die Stadt Dresden aus Steuergeldern hinzu. So war es frühzeitig vereinbart worden. Zur Orgelweihe wird das Instrument in Form einer Schenkung an die Stadt übergeben. In diesem Festkonzert werden gleich vier Organisten an der neuen Instrumentenkönigin tätig sein: Holger Gehring, Samuel Kummer, Johannes Trümpler sowie der neu ernannte Palastorganist Olivier Latry aus Paris.

Bereits zuvor mischt die Orgel in Gustav Mahlers »Sinfonie der Tausend« mit, die zur Eröffnung der neuen Saison unter Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling erklingen wird. Bis dahin müssen die Intonateure von Eule auch die letzte Orgelpfeife auf Feinschliff gebracht haben. Der Firmenchef, Orgelbaumeister Dirk Eule, ist guter Dinge: „Solch ein Instrument begleitet einen ja über einen längeren Zeitraum. Wir werden diese Orgel auch in Zukunft betreuen. Eine ihrer Besonderheiten ist, dass sie einen fahrbaren Spieltisch hat. Man sitzt als Organist also mitten im Publikum drin. Sie ist eine wunderbare Ergänzung zu den anderen Orgeln, die wir hier in der Innenstadt haben.“ Nicht zuletzt ist Dirk Eule fasziniert vom Anblick dieser Konzertorgel: „Das ist ein großes Werk. Dass sich dieses Instrument in dieser Position präsentieren darf, ist natürlich auch für unsere Werkstatt etwas ganz Besonderes.“

Bereits zum Tag der Offenen Tür am 19. August kann die neue Eule-Orgel im Dresdner Kulturpalast bewundert werden. Ihre größte Pfeife ist gar nicht zu sehen, sie ist gebogen und misst ganze 9,23 Meter. Im Orgelprospekt sichtbar ist mit 6,73 Metern die Prinzipal-Pfeife. Deren Pendant umfasst lediglich einen Zentimeter. Manche Dresdner Pfeifen sind eben ganz schön klein.

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