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Schlichtheit als Ausdrucksmittel

Daniel Harding (Foto: Matthias Creutziger)

Das 11. Symphoniekonzert der Staatskapelle stellte Werke vor, die mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielen. Wer kennt zum Beispiel Mahlers »Blumine«-Satz? Erst 1966 wurde er in den überlieferten Materialien des Komponisten entdeckt und wieder aufgeführt. Als Kapellmeister in Kassel hatte der junge Mahler zum Schauspiel »Der Trompeter von Säckingen« Zwischenstücke zu liefern. Eins blieb erhalten, da es mit persönlichen Liebesgeschichten verbunden war. Sogar in die Ursprungsfassung der 1. Symphonie in D-Dur stand es als Andante zwischen den fünf Sätzen des Werkes. Später wurde es gestrichen als zu trivial. In der Aufführung in der Semperoper erklang es. Natürlich mit einem Trompetensolo, von Mathias Schmutzler zart geblasen, und im Duett von der Oboe aufgenommen in dieser pastoralen Szene um Blumine, die Naturgöttin Flora. Das schlichte Stück, von der Kapelle mit weichem Klang realisiert – beeindruckend.

Als Mahler später Intendant der Wiener Staatsoper wurde, mit 42 Jahren gerade die junge Alma Schindler geheiratet hatte, gebar Alma ihm zwei Mädchen. Aus dieser Zeit stammen die »Kindertotenlieder« nach Gedichten von Friedrich Rückert. Sie waren persönliche Reflexionen des Coburger Dichters. Ahnungsvoll, dass auch ihn so ein Schicksal treffen könnte, wählte Mahler fünf Gedichte aus. Obwohl er gerade an seiner »Schicksals-Symphonie«, der Sechsten, arbeitete, nahm er hier jene schlichte Sprache wieder auf, die er mit den Wunderhorn-Symphonien eins bis vier entwickelt hatte. Der viel gefragte Bariton Matthias Goerne, international geschätzter Spezialist für Oper und Lied, war der Solist der Mahlerschen Lieder. Der Schlichtheit der Musik stellte er eine dramatisierende Interpretation gegenüber, die manche der tiefgreifenden Wirkung belastete. Dort, wo mit weniger Gestaltungswillen schlicht gesungen wurde, wie etwa beim dritten Lied »Wenn dein Mütterlein« mit jenem polyphon durchsichtigen Orchestersatz a la Bach oder in den Schlusszeilen des fünften Liedes, war die Wirkung unmittelbar treffend, beeindruckend in Stimme und Gestaltungskraft.

Mit einem Kontrast von symphonischer Dramatik und klangvoller Idylle faszinierte Antonin Dvoraks G-Dur-Symphonie, die achte seiner neun Werke dieser Art. Die Komposition entstand als Dank für die Aufnahme in die „Böhmische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst“. Wie der englische Gastdirigent Daniel Harding schon bei den Mahler-Liedern die farbvolle Gestaltung mit den Musikern zu entfalten suchte, so zeigte sich das nicht minder bei der Dvorak-Symphonie. Gleichsam patriotisch heroische Themen wurden genauso packend dynamisch entwickelt, wie im Kontrast dazu musikantische Passagen mit mehr pastoralen Zügen, die von den Musikern spielfreudig aufgenommen wurden. Dem zu lauschen war ein Erlebnis besonderer Art. So entstand eine wirkungsstarke Aufführung, die am Ende stürmisch gefeiert wurde, wie vorher schon der in Dresden populäre Sänger Matthias Goerne. Dies Programm prägt auch die bevorstehende Europa-Tournee des Orchesters von Brüssel über Amsterdam nach Wroclaw.

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