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Stille Straßen in Dresden

Wer jetzt noch spielt, spielt schwarz. Das deutsche Gemeinwesen heißt doch nicht ohne Grund so, wie es heißt. Es ist auch gemein. Die Weisen aus Dresdens teurer Baustelle unterm güldenen Rathausmann haben ein paar Machtworte geschrieben. Sie brauchten dazu nicht mal ein Stichwort wie Demokratie. Just in der ohnehin musikarmen Zeit der Sommerpause von Philharmonie und Staatskapelle soll Stille herrschen in der ansonsten feuerwerklig und stadtfestig rauschenden Enklave an der Elbe. Ausnahmen würden nur gegen Gebühr attestiert werden und beinhalteten eine zeitlich und räumlich eng begrenzte Spielerlaubnis. Das nimmt den musizierenden Kleinkünstlern natürlich die Freude am Spiel. Welcher kreative Mensch lässt sich schon gerne von Erfüllungsgehilfen und Vollzugsbeamten reglementieren? Merke: Finanzämter und Gebühreneinzieher sind nicht die einzige Schikane im Rechtsstaat.

Wer jetzt aus dem Urlaub zurückkommt nach Dresden, hat vielleicht noch die Klänge der Spielleute ferner Länder im Ohr, hört hier aber – NICHTS. Das ist nicht die einzige Beleidigung der Sinne bei der Ein-, nein Rückreise ins Elbtal. Kaum sind die Qualen der Kommunal- und Europawahlen ausgestanden, bedrohen die Plakate der Landtagswahl unsere Gemüter.

Selbstentlarvend formuliert eine Splitterfraktion auf Tauchkurs: „Ihr Auto würde uns wählen“. Nein, nicht mal mein Auto würde das tun! Sofern mein Auto unbeschadet durch die Stadt kommt, in der die Parteienreklame gern auch mal sichtbehindernd die allgemeine Sicherheit gefährdet, würde es vermutlich stumm werden aus Angst, die Stille zu stören. Besagte Stille geht übrigens gerade im Raketenknallen unter. Feuerwerke hier und Feuerwerke da. Ist das ein Ersatz? Für die Feinstaubplakette womöglich? Nein, für die Feinstaubplakette schon gar nicht. Der wird was gehustet.

Was bleibt, sind die geistlosen Parolen deutscher Parteien. Als erstaunlich koalitionsfähig erweist die die weit verbreitete Inhaltsleere dieser Werbung, die uns Wählerinnen und Wähler zur Kundschaft degradiert. Ist es schon wieder so weit: DIE da oben und WIR ganz unten? Dagegen muss ganz kräftig aufgespielt werden!

Und Sie machen Ihr Kreuz?

Herzlich, bis nächsten Freitag –
Michael Ernst

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