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Nach Osten

Das Wagner-Jahr ist geschafft, der sinfonische Brahms-Zyklus ebenfalls, die Geburtstagsehrungen für Richard den Zweiten (Strauss) sind „in progress“. Dementsprechend gespannt konnte man auf das neue Saisonprogramm der Sächsischen Staatskapelle Dresden sein, das heute in den Räumen der VW-Manufaktur, Partner des Orchesters, vorgestellt wurde. Denn die Ankommenslorbeeren sind gepflückt, die „Feldbestellung“ ist in vollem Gange. Und Christian Thielemann gab sich gut gelaunt, sprach sogar im Hinblick auf die gerade beendete Europatournee von einer „sehr, sehr glücklichen Zeit“ und lobte die besondere Affinität des Orchesters zu den Werken von Richard Strauss – dessen Tondichtung  „Ein Heldenleben“ war eines der Tournee-Hauptwerke.

Natürlich stand Richard Strauss auch zunächst im Mittelpunkt seiner Ausführungen, steht doch die Residenz der Staatskapelle bei den Osterfestspielen Salzburg unmittelbar bevor, die sich ebenfalls dem Komponisten widmet. Zu den Richard-Strauss-Festtagen im November in der Semperoper steuert die Kapelle neben den Opernaufführungen auch ein Sinfoniekonzert bei – Renée Fleming wird eine Auswahl aus Strauss‘ Orchesterliedern singen. Ein weiterer Konzertabend gilt dem Rosenkavalier-Stummfilm, diese Aufführung wird Frank Strobel leiten.

Gut gelaunt auf in die dritte gemeinsame Saison – Jan Nast, Christian Thielemann und Tobias Niederschlag bei der heutigen Pressekonferenz

 

Neu sind in jedem Fall Capell-Compositeur und Capell-Virtuos, die diesmal auch in den Konzerten eine enge Verbindung eingehen: Sofia Gubaidulina, die seit Jahren in Deutschland lebende, hochgeschätzte russische Komponistin und der ebenfalls bedeutende Geiger Gidon Kremer werden die Konzerte 2014/2015 bereichern. Von Gubaidulina erklingen ihre beiden Violinkonzerte („Offertorium“ und „In tempus praesens“), außerdem wird sie im Auftrag der Staatskapelle ein neues Werk für Chor und Orchester schreiben, das in einem Frauenkirchen-Konzert im April 2015 uraufgeführt wird. Kremer, der bereits 2012 bei den Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch gastierte (und erneut dabei sein wird), wird der Solist der Violinkonzerte sein und sich gleich im September mit seiner „Kremerata Baltica“ vorstellen.

Wenn die Kompassnadel des Orchesters in der letzten Zeit deutlich über Deutschland ruhte, so schlägt sie nun nicht nur bei den Residenzen nach Osten aus. Der 100. Todestag von Alexander Skrjabin wird mit dem Poem „Promethée“ gewürdigt, zwei Werke von Dmitri Schostakowitsch, 10. Sinfonie und 1. Violinkonzert – Solist Nikolaj Znaider, stehen auf dem Programm – letzteres von Thielemann selbst geleitet, der auch die 6. Sinfonie von Peter Tschaikowsky programmiert hat, ein Stück von „verkannter Eleganz“. Mit dem Sänger Christian Gerhaher gestaltet Thielemann außerdem ein Konzertprogramm mit Werken von Schubert und Wagner – eröffnen wird der Chefdirigent die neue Saison mit Anton Bruckners 9. Sinfonie, auch die 4. Sinfonie Es-Dur wird zu hören sein.

Der erste Gastdirigent Myung-Whun Chung setzt seinen Mahler-Zyklus in der neuen Saison mit der 4. Sinfonie G-Dur (Solistin Sophie Karthäuser) fort, er dirigiert auch das Gedenkkonzert zum 13. Februar, in dem erstmals das „Stabat Mater“ von Gioacchino Rossini auf dem Programm stehen wird. Ein Wiedersehen gibt es natürlich mit Herbert Blomstedt (der Wilhelm Stenhammars 2. Sinfonie vorstellen wird), ebenso mit Christoph Eschenbach, Vladimir Jurowski und Daniele Gatti. Der große polnische Dirigent Antoni Wit wird Lutoslawskis „Konzert für Orchester“ und französische Werke im 2. Sinfoniekonzert vorstellen, Reinhard Goebel übernimmt auch 2015 das Palmsonntagskonzert. Gemeinsam mit dem Dresdner Kammerchor wird dann Johann Sebastian Bachs „Dresdner Missa“, die Erstfassung der h-Moll-Messe erklingen. Freuen darf man sich auch auf hochrangige bekannte Solisten wie Rudolf Buchbinder, Arkadi Volodos oder Midori – ein besonderes Highlight dürfte aber das Debut des Pianisten Krystian Zimerman in Dresden sein, der im Oktober das 5. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven spielen wird.

Beim Silvesterkonzert richtet sich die Kapelle nach Überschneidungsdiskussionen der letzten Jahre diesmal auf einem behaglichen Sonntagabendtermin ein – am 28. Dezember dirigiert Thielemann eine konzertante Aufführung von Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“. Vier Aufführungsabende mit spannenden Programmen in kleinerer Besetzung werden von Omer Meir Wellber, Hermann Bäumer, Andres Mustonen und Michail Jurowski geleitet. Auch die Tourneen des Orchesters weisen bis auf zwei Tourneen in Konzerthäusern Mitteleuropas nach Osten: zwei Gastspielen in Moskau, wohin die Staatskapelle erstmals nach 25 Jahren wieder reist, schließen sich Auftritte in Yokohama, Tokio und Hong Kong im Februar 2015 an. Zu Medienaktivitäten gab Thielemann an, dass in der kurzen Zeit seiner Cheftätigkeit bereits eine beachtliche Anzahl Aufnahmen mit ihm und dem Orchester vorliege – unmittelbar bevor steht die Veröffentlichung des 2. Klavierkonzertes von Johannes Brahms mit Maurizio Pollini sowie der Mitschnitt der konzertanten „Elektra“-Aufführung in Berlin vom 28. Januar dieses Jahres.

Das komplette Programm ist bereits online auf den Seiten der Staatskapelle Dresden zu finden.

Fotos: Matthias Creutziger

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