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Bart hin, Bart her

Für 900 Euro übern großen Teich: Dass das Wagner-Museum Bayreuth in diesem, seinem 200sten Jubiläumsjahr ein frühes Foto des Komponisten ersteigerte, wurde als großer Erfolg verbucht. Warum so viel Wirbel um das Foto? Es galt lange als verschollen, als weitgehend unbekannt und spektakulär.

Die große Besonderheit ist, dass es als das einzige Bild gilt, welches Richard Wagner ohne Bart zeigt. Alle anderen bekannten Abbildungen des Meisters lassen seinen Backen- und Unterkinnbart deutlich erkennen. Und weitere bildliche Darstellungen belegen ebenfalls, dass Richard Wagner ihn bereits seit 1840 trug, wenn auch deutlich getrimmter als später.
Auf diesem, frisch erworbenen Foto sieht man den Meister sitzend in Ganzfigur – eine weitere Besonderheit, Büste und Halbfigur sind die üblicheren Darstellungen. Er ist zur Zeit der Aufnahme etwa 48 Jahre alt und tatsächlich ist sein Kinn rasiert, der Unterkinnbart, so denn überhaupt vorhanden, nur schemenhaft zu erkennen. Auch sein so gern auf Fotos getragenes Barett fehlt. Wahrscheinlich fertigte Louis Buchheister in Paris diese, eine der frühesten Aufnahmen des Komponisten.
Das Foto stammt aus US-amerikanischem Privatbesitz, in der Nacht zum 18. Januar konnte es das Bayreuther Museum für 900 Euro ersteigern.

Etwas amüsant scheint der Aufruhr um das Foto jedoch trotzdem: Seit dem 14. Januar kann jeder das berühmte Foto im Internet ansehen, denn seitdem ist es durch die Deutsche Fotothek digitalisiert worden. Es ist eines von insgesamt drei Exemplaren und befindet sich schon seit 2001 in der Dresdner SLUB in einer Handschriftensammlung. Und laut Bibliothekskommentar liegt es an der Perspektive des Fotos, dass der (vorhandene) Unterkinnbart so schlecht zu sehen ist. Dafür gebe es auch einen etwa zeitgleich in Paris entstandenen, gezeichneten Beweis. Der aktuelle Stand ist also: Wagner ohne Bart? Fehlanzeige. Jedenfalls so lange, bis jemand ein neues Foto ausgräbt, welches einen unmissverständlich glatt rasierten Meister zeigt.

Eine Textfassung dieses Artikels ist im Dresdner Universitätsjournal erschienen.

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