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Vom Untergang des Cyberlandes

Jan Heinke, Tim Schreiber (Foto: Detlef Ulbrich)

Dresden, Societaetstheater, Kleiner Saal im Keller. Licht aus, Spot an, da schafft sich ein cooler DJ. Ufft, ufft, ufft…, die Wummersounds kommen von beiden Seiten der kleinen Bühne aus dem Off. Da sitzen die beiden Oralspezialisten, rechts Jan Heinke, ganz ohne Stahl, diesmal als Meister der reinen Vokalkunst, garantiert alles mundgemacht. Links Matthias Macht, auch nicht am Schlagzeug wie gewohnt, er ist der Mann für die Geräuschimitationen, für Stimmeffekte, die Beatbox auf Beinen. Von der Mitte her, von den Reglern, zielt Pantomime Tim Schreiber geradewegs ins Publikum, die Schüsse treffen, piff, paff, puff und aus das Licht.

Dann beginnt eine so vergnügliche wie verblüffende, vor allem unterhaltsame Zeitreise. Am Anfang war das Geräusch. Und dann das Licht, und dann erleben wir die Geburt Tarzans aus dem Geiste der Musik. 1000 Jahre später bestimmt die Musikalität die Präsenz des menschlichen Körpers. Alles kann zu Klängen werden. Der ganze Mensch ein Instrument, unerschöpflich scheint das Spektrum der unbekannten Instrumente in den Hirnen der beiden Musiker Heinke und Macht und immer lustvoller lassen sie den Sounds, die dabei entstehen, freien Lauf. Oral ist in. Leroy Andersons Konzert für Schreibmaschine und Streichorchester ist zum Evergreen geworden, aber hier geht das alles ohne Technik, wir hören die Klänge und sehen Tim Schreiber wie einen Protagonisten aus der Stummfilmzeit. Der Mensch kann jetzt schreiben, er kann Nachrichten senden und empfangen, dafür hat die Technik Geräte erfunden. Da ist der Weg nicht weit zur Generation iPod, und wieder wummern die Sounds gezielt durch die Ohren ins Hirn. Hirnwindungen überflüssig, alles auf Durchgang! Yes und good bye, vielleicht noch ein cooles o.k., das bleibt schon noch hängen.

Auch ein PC macht seine Töne, die Oralkünstler haben genau zugehört und lassen uns hören was sonst unhörbar durch die Netze schwirrt. Dann wird’s noch mal fast nostalgisch. Unser Held reist mit der Bahn, in jedem Abteil eine andere Sprache. Die babylonische Bahnreise. Und falls man richtig hört, reist sogar Osama mit, also wir sind schon längst nicht mehr in dieser Welt. Oder doch? Am Ende, nach einer guten Stunde oraler Verführungskünste ist der coole Typ vom Anfang wieder da und im Keller des Dresdner Socitaetstheaters ist die Stimmung bombig. Deutschland einig Discoland, war gar nicht so weit der Weg aus der Steinzeit in die Cyberzeit. 

Nächste Vorstellungen: 6., 7., 28., 29. Dezember

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