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Ab ins Sommerloch

Spätestens nach den letzten Landtags- und Stadtratssitzungen scheint es in Sachsens Hauptstadt überhaupt kein Theater mehr zu geben. Dem ist aber nicht so. es gibt auch in diesem Sommer wieder eine ganze Menge Alternativen.

Die Zwingerfestspiele, obwohl sie sich im vergangenen Jahr mangels Kunst quasi von selbst abgeschafft haben, finden diesmal nur noch hinter den Kulissen von römischen Orangenbäumen statt. Geschenkt. Den staatlich geschundenen Landesbühnen Sachsen sei gutes Wetter und zahlreiches Publikum in Rathen gewünscht, wo Helden wie Wickie und Winnetou den sommerlichen Ton angeben.

Spanisch geht es im Garten des Societaetstheaters zu, wo noch bis zum 5. August Federico Garcia Lorcas „Wundersame Schustersfrau“ gegeben wird. Schönes Ambiente, stringent inszeniertes Volkstheater und obendrein musikalisch begleitet – natürlich von spanischem Gitarrenklang.
Auf dem Konzertplatz am Weißen Hirsch wird hingegen ein Rückblick gen DDR-Klassiker gewagt. Als Sommerspektakel für die ganze Familie wird dort der „Spuk unterm Riesenrad“ beworben. Einst Kult im Ost-Fernsehen, nun Open-Air-Event beim Dresdner Sommer 2012.

Unterm Glasdach der Theaterruine St. Pauli ist bis eben geprobt worden, um jetzt quasi am Stück mit einem Durcheinander von Jahrhunderten, Traum und Wahrheit im Sprech- und Musiktheater zu unterhalten. „Purcells Traum von König Artus“, ein schräges Nachtstück von Tankred Dorsts, steht passenderweise im frisch sanierten Ruinenbau auf dem Plan. Da treffen Sanierungswahn von heute, barocke Oper und ewige Liebe aufeinander, als wäre das Stück für diesen Ort geschrieben. Ist es natürlich nicht, aber die Ensemblemitglieder haben Raum und Text in Besitz genommen und beherrschen auch die schwierigen musikalischen Parts.

Nicht weniger verrührt dürfte es bei der Serkowitzer Volksoper zugehen, die im Biergarten Saloppe eine Märchenoper nach Mozart und den Brüdern Grimm präsentiert. „Müllerbursch und Zauberflöte“ trägt schon im Titel, was eigentlich nicht zusammengehört. Doch auch der gestiefelte Kater und die sieben Zwerge sind mit von der Partie. Und noch eine Märchenoper bringen die Serkowitzer in ihrem zweiten Saloppe-Sommer heraus: Ab Mitte August wird dort „Die Kluge“ von Carl Orff aufgeführt.

Steht zu erwarten, dass rings um das schön alte Wasserwerk Dresdens Musiktheaterfreunde ein Hauptreiseziel haben. Denn im Rahmen des diesjährigen Kunstfestivals ORNÖ, das bereits zum 20. Mal stattfindet und vor genau zehn Jahren schon einmal in den Mauern der Saloppe gastierte, kommt diesmal eine Unterwasser-Oper heraus. Als Reminiszenz an die vielbeschworene „Jahrhundert“-Flut gibt es Musiktheater im Feuchten. Einmalige Aufführung am 10. August.

An dieser Stelle heißt es sonst immer „Bis nächsten Freitag“ – diesmal verabschiedet sich, trotz allen Theaters in Dresden, erst einmal ins Sommerloch –
Michael Ernst

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