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Das schönste Geschenk

Foto: privat

Mit einem festlichen Kolloquium ehrten zahlreiche Kollegen, Schüler und Wegbegleiter den Herzblut-Musikwissenschaftler Hans-Günter Ottenberg Anfang März im Vortragssaal der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Vor dem hochrangigen Publikum – darunter Kollegen wie Musikhochschulrektor Prof. Ekkehard Klemm oder der Präsident der Gesellschaft für Musikforschung, Prof. Wolfgang Auhagen – ließ Prof. em. Karl Heller die wichtigsten Stationen aus Hans-Günter Ottenbergs wissenschaftlichem Werdegang Revue passieren: von den ersten musikwissenschaftlichen Interessen des Abiturienten, der sich 1965 an der Rostocker Universität einschrieb über seine 1972 verteidigte Dissertation über "die Entwicklung des theoretisch–ästhetischen Denkens innerhalb der Berliner Musikkultur von den Anfängen der Aufklärung bis Reichardt", die Arbeit als Dramaturg an der Konzerthalle Frankfurt/Oder bis hin zu den zahlreichen Tagungsbänden, Aufsätzen und Noteneditionen, die ab 1978 in Dresden entstanden. Besonders an einer technischen Universität brauche man Kollegen, die von Schönheit, Harmonie und Glück zu reden verstünden, sagte Prof. Bruno Klein in seinem Grußwort; und lobte Ottenberg als einen der erfolgreichsten Wissenschaftler der Fakultät, was sich regelmäßig in Preisen und Anerkennungen für von ihm betreute Arbeiten, aber auch – für einen Geisteswissenschaftler eher ungewöhnlich – in der Menge an eingeworbenen Drittmitteln niederschlage.

In diesem Zusammenhang konnte Klein dann auch die wohl wichtigste und schönste Nachricht für den Jubilar verkünden: der Lehrstuhl für Musikwissenschaft, eingerichtet 1993, kann erhalten werden. Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, das Dekanat der Philosophischen Fakultät und das Institut für Kunst- und Musikwissenschaft haben ein Konzept erarbeitet, das auf die engere Zusammenarbeit der beiden Hochschulen setzt, bestimmte fachliche Schwerpunkte aber im musikwissenschaftlichen Institut der Universität belässt. Eine Erfolgsgeschichte, die mit Ottenbergs Anstellung als wissenschaftlicher Oberassistent mit Lehrverpflichtung für Überblicksvorlesung im Studium Generale der TU Dresden begann und – nach der Habilitation an der Universität Halle-Wittenberg 1990 – mit der Berufung auf einen neu eingerichteten Lehrstuhl ihre Fortsetzung fand, kann damit weitergeschrieben werden. Ob Ottenbergs Forschungsschwerpunkte – die Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts, vor allem die Werke des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach, aber auch die regionale Musikgeschichte rund um den kunstsinnigen Dresdner Hof – erhalten, ausgebaut oder mit heute von Studierenden einer technischen Universität verstärkt nachgefragten Nachbarthemen aus den Bereichen der Kommunikationstheorie, der Akustik etc. angereichert werden könnten, wird sein Nachfolger in der nötigen Ruhe abwägen können; für drei Jahre bleibt Hans-Günter Ottenberg der Universität nämlich erst einmal als Seniorprofessor erhalten. "Man täusche sich nicht, wenn man glaubt, hier einen zerstreuten Professor vor sich zu haben!," warnte Laudator Dr. Reiner Zimmermann zuletzt lächelnd die Anwesenden. "Hans-Günter Ottenberg hat alles im Griff." Diejenigen, die seinen Schaffensdrang kennen und schätzen, freuten sich an seinem Ehrentag mit ihm über die neue Perspektive "seines" Instituts. Der Erhalt des Lehrstuhls gegen viele Widerstände und damit auch die Anerkennung einer besonderen Lebensleistung – sicherlich das schönste Geschenk, das eine Universität einem bald emeritierten Professor machen kann.

Eine Textfassung des Artikels ist im Dresdner Universitätsjournal erschienen. Wir danken dem Chefredakteur für die freundliche Genehmigung, ihn hier erneut abdrucken zu dürfen.

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