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Starke Sanftspielerin

Grundton: Schön. Ob Ludwig van Beethoven, ob Franz Liszt, ob Sergej Prokofjew – die aus Belgrad stammende Pianistin Mirjana Rajic gestaltet bei aller Verschiedenartigkeit der musikalischen Vorlagen und Handschriften die drei Komponisten in ihrem Alumni-Konzert mit großartiger Schönheit. Der erste Dezember-Abend wurde so zu einem unerwarteten Erlebnis, an dem nur ein paar Handvoll Menschen Anteil hatten, die sich am Donnerstag im Konzertsaal der Musikhochschule einfanden.

Foto: Matthias Creutziger

Bereits zum vierten Mal hatte die Hochschule zu einem solchen Absolventen-Abend geladen. Mirjana Rajic studierte in Dresden bei Winfried Apel, wurde zuvor von Lazar Berman in Weimar unterwiesen und setzte ihre Ausbildung in Meisterkursen bei weiteren namhaften Interpreten fort. Inzwischen unterrichtet sie selber, nicht nur am Hause Carl Maria von Weber, sondern auch in ihrer serbischen Heimat sowie in Frankreich. Als Solistin und Kammermusikpartnerin ist sie in aller Welt unterwegs. In Dresden, so scheint es, gebührt ihr noch einiges mehr an Aufmerksamkeit.

Zum Konzert mit den Sechs Bagatellen op. 126 von Beethoven, den Italien-Reminiszenzen aus Liszts „Années des pèlerinage“ und der Sonate Nr. 8 op. 84 B-Dur von Prokofjew sollte bereits eine CD mit eben diesen drei Stücken vorliegen. Mirjana Rajic hat die Werke im Sommer in diesem Saal eingespielt. Technische Ursachen haben die Produktion etwas verzögert, nach diesem Konzert ist die Vorfreude auf diese Scheibe nochmal gründlich gesteigert! Spätestens im Januar soll die CD endlich vorliegen.

Allein zur Auswahl dieser drei Stücke gehört Mut und, mehr noch, Liebe. Damit begründet die Solistin ihre Hinwendung zu den alles andere als bagatellen Bagatellen, zu den von venezianischer und neapolitanischer Schönheit schier sprechenden „Pèlerinages“ und zur dunkel-schönen Schattenzeit-Sonate. Den Beethoven gestaltet sie mit der gebotenen Raffinesse, rückt nie die Virtuosität in den Vordergrund, sondern unterstreicht die tiefe Emotionalität dieser ziemlich zupackenden Stücke. Bei Liszt erlaubt sie sich ein instrumentales Verschmelzen und perlt die Wellen Venedigs ins Publikum, charakterisiert eine Gondelfahrt, die schließlich in einer wahnwitzigen Tarantella mündet. Von virtuoser Angestrengtheit ist da nichts zu spüren, statt dessen breitet sich ein wissender Gestaltungswille aus.
Der ist auch nach der Pause in Prokofjews während des Zweiten Weltkriegs entstandener Sonate Nr. 8 zu hören. Was für ein Wechsel aus brandender Virtuosität und kluger Zurückhaltung selbst in den knallhartesten und düstersten Passagen! Geradezu umwerfend das scheinbar unangestrengt vorgetragene Finale. Eine Sanftspielerin mit ausdrücklicher Stärke.

Wer danach noch eine Zugabe liefert, muss die Liebe wahrlich leben. In diesem Fall ist es die Liebe Mirjana Rajics zu ihrem Landsmann Marko Tajcevic, von dem die nun heftig gefeierte Künstlerin noch einen Balkantanz draufgab. Ein Konzert, das nicht so rasch zu vergessen sein wird und die Wartezeit bis zur CD mit Ungeduld füllt. Bestellbar ist die klingende Rarität über die Hochschule für Musik sowie unter www.mirjanarajic.de.

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