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„Gleich noch mal!“

Obwohl Christian Thielemann sich vorsichtig an das erste Werk des Konzerts, Busonis „Nocturne symphonique“, herantastete, schön und konzentriert dirigierte, die Violinen zart erklangen, so ganz passte es nicht. Das Publikum war nur schwer für diese Musik zu begeistern; die Instrumente wirkten, als wären sie durcheinander. Nach acht Minuten, in denen der Eindruck entstand, das Stück sei zu modern für das Publikum, folgte eine Art betretener Applaus. Interessiert lauschte man, als Thielemann verkündet: „ Man muss bei diesem Stück einfach genau auf die Stimmung hören. Es ist eines der großartigsten Werke, daher erlauben wir uns, es einfach nochmal zu spielen.“

Foto: Matthias Creutziger

Und siehe da: Mit energischer und konkreterer Gestik klappte es schon besser. Die Musiker waren aufmerksamer und sichtlich darauf bedacht, sich zu beweisen. Die nächtliche Stimmung verbreitete sich im Raum. Es folgte anerkennender Applaus aus dem murmelnden Publikum. Thielemann wirkte nun entschlossen, als der erste Satz aus Hans Pfitzners Klavierkonzert in Es-Dur begann. Tzimon Barto spielte von Beginn an souverän und engagiert die hochanspruchsvollen Soli, derentwegen das Stück als unaufführbar gilt. Und die Kapelle schien sich unter dem nun sehr exakten Dirigat mit leichten und eleganten Handbewegungen wohler zu fühlen als zuvor. Die Musiker hörten aufeinander und ließen Melodien von einer Instrumentengruppe zur nächsten gleiten, während der Solist das Stück leidenschaftlich und mit größter Kunstfertigkeit interpretierte.

Höchst präzise und mit leichten Fingern spielt er hochanspruchsvolle, über viele Takte dauernde, sehr schnelle Läufe. Auch Thielemann zeigte klare Zäsuren an und dirigierte Tzimon Barto zwischenzeitlich ausschließlich durch seine Mimik. Eine höchst genüssliche Interpretation dieses schwierigen Klavierkonzertes begeisterte das Publikum. Thielemann umarmte Barto, bedankte sich lächelnd bei der Staatskapelle, die Zuhörer applaudieren entzückt. Trotzdem blieb eine Zugabe aus.

Weiterhin konzentriert und mit scharfem Blick begann Thielemann nach der Pause, Johannes Brahms´ Symphonie Nr. 1 in c-Moll zu dirigieren. Leider nicht immer ganz simultane Abschlüsse und ein etwas schwerfälliger Streicherklang machten die Symphonie zwischenzeitlich ein wenig ereignislos. Der vierte Satz jedoch gelang majestätisch, aber nicht übertrieben. Thielemann schaffte es, die Staatskapelle gerade in den langsameren Phasen wirklich mitzunehmen, einen harmonischen Gesamtklang zu erzeugen und das Stück rund abzuschließen. Mit Bravo-Rufen und Standing Ovations zollte das Publikum der Kapelle seinen Respekt, Thielemann jedoch wirkte unzufrieden.

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