Von Schostakowitsch lernen…

Kolumnen

Von Schostakowitsch lernen…

Der arme Mann hat es sicherlich gut gemeint. Er, ein Sprecher der geschundenen Stadt. Rief öffentlich dazu auf, dass noch freiwillige Helfer für die Menschenkette am 13. Februar gesucht würden. Die könnten sich auch kurzfristig melden. Es soll sogar ein Dankeschön dafür geben, verkündete er: Wer das öffentlich zelebrierte Gedenken als Ordner ordnet, bekommt dafür kostenlos eine Karte für das Gedenkkonzert der Dresdner Philharmonie im Kulturpalast. Die soll dort am Abend des 13. Februar die 17. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch aufführen.

An dieser Stelle wäre ein [sic!] angebracht.

Beethovens Zehnte gibt’s also nicht. Sondern die 17. [sic!] Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Dass der arme Mann in seinem an Problemen wahrlich nicht raren Leben lediglich 15 Sinfonien geschrieben hat, müssen kommunale Werbehelfer nicht wissen. Aber die Rundfunkanstalt als Verbreiter der Botschaft vielleicht doch?

Klären wir pragmatisch auf: am 13. Februar wird im Konzertsaal des Dresdner Kulturpalasts die 15. und letzte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch erklingen. Dargeboten von der Dresdner Philharmonie unter der musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten Michael Sanderling. Dessen Vater Kurt Sanderling war dem 1975 verstorbenen Komponisten eng verbunden, ist ihm in der Sowjetunion und auch im sächsischen Kurort Gohrisch begegnet. Dort entstand bekanntlich das 8. Streichquartett c-Moll op. 110, das kürzlich in einem Nachtkonzert zu hören war und mit dem Hinweis verbunden wurde, es sei in Dresden komponiert worden und werde daher das „Dresden-Quartett“ genannt. Womöglich ist das auch nur gut gemeint gewesen oder war vielleicht sogar gutgemeint. Wer will das schon auseinanderhalten? Am vorletzten Juni-Wochenende 2019 erklingt das Quartett erneut an seinem Entstehungsort, zu den inzwischen 10. Internationalen Schostakowitsch-Tagen Gohrisch.

08.02.2019Kolumnen