Erinnerung an einen Sämann

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Erinnerung an einen Sämann

Foto: privat

Cembalist? Dirigent? Musikwissenschaftler? Ludger Rémy passte in keine Schublade, und viel weniger noch passte Musik für ihn in irgendeine. Epochenbezeichnungen waren ebenso wenig von Bedeutung wie der Begriff der „Alten Musik“. Jedes Werk war etwas Besonderes. Unzählige Details gab es zu entdecken, Vorhalte auszukosten. Affekten galt es nachzuspüren. Das Unerhörte, Ungehörte wurde auskundschaftet. Mit seiner unstillbaren Neugier wiederum war er stets auf der Suche nach dem Wesen der Musik überhaupt – Musik in ihrer Wirkung im Jetzt und Hier: Das Empfinden. Der Berührungspunkt. Der Blick in die Seele.

Unvergessen ist sein eindrucksvolles Wirken weit über die Dresdner Hochschul- und Stadtgrenzen hinaus, und es gibt Momente, da spürt man den Geist dieses großartigen Musikers noch mitten unter den Musizierenden, in der Musik, unter uns… „Über der Arbeit an Heinrich Schütz sind Ludger Rémy und ich Freunde geworden“, so Hans-Christoph Rademann. „Es war bewegend, ihn an der Orgel bei eindringlichen Textpassagen während der Aufnahmen und Konzerte bei der Gesamtaufnahme des Dresdner Kammerchores voller Ergriffenheit schluchzend zu erleben. Stets war er querdenkend, beratend und bereichernd an unserer Seite und hat sich zudem mit der Aufnahme der »Kleinen geistlichen Konzerte« ein musikalisches Denkmal gesetzt. Seine liebevolle Hinwendung zu seinen Studenten hatte für mich immer Vorbildcharakter und im Schützschen Sinne war er ein Sämann, dessen Saat in vielen Musikern aufgehen wird, denen er Ratschläge gegeben und Mut gemacht hat, die auf dem Pult liegende Musik wirklich zu interpretieren.“

Am 4. Februar 2019 wäre Ludger Rémy 70 Jahre alt geworden. Im Konzert am Vorabend des Geburtstages stehen Werke und Komponisten auf dem Programm, die ihm besonders am Herzen lagen – interpretiert von Freunden, Kollegen, Weggefährten.

03.02.19, Sonntag, 19:30
Hochschule für Musik Dresden, Konzertsaal, Wettiner Platz/Schützengasse, Dresden
Laudatio: Prof. Dr. Manuel Gervink/Leiter des Instituts für Musikwissenschaft

Programm

Heinrich Schütz:
Jubilate Deo omnis terra SWV 332 (aus: Kleine geistliche Konzerte II)
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist SWV 409 (aus Symphoniae Sacrae III)
Musikalische Exequien Teil II: Herr, wenn ich nur dich habe SWV 280
Musikalische Exequien Teil III: Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren SWV 281
Nun danket alle Gott SWV 418 (aus Symphoniae Sacrae III)

Thomas Zoller:
Fortune, my foe – More wishes. UA
Text. Anonymus England, 16. Jahrhundert

Gottfried Heinrich Stölzel:
Herr, enthalt uns dein Wort Kantate zum 2. Advent (1736)

Anonymus:
Concerto VII aus der Notensammlung der Katholischen Hofkirche Dresden, Schrank No: II, 33. Fach, 7.Lage / Fassung für 2 Tasteninstrumente von Ludger Rémy

Georg Gebel d. J.:
Verfolge mich, o Welt! Kantate am 2. Weihnachtsfeiertag aus „Erbauliche und tröstliche Lehren“ Jg.1747/48

Ausführende

Sopran: Isabel Schicketanz, Katharina Salden, Maria Stosiek
Alt/Altus: Britta Schwarz, Stefan Kunath
Tenor: Tobias Mäthger
Bass: Martin Schicketanz
Cembalo: Elisabeth Hecker, Prof. Andreas Hecker
Stimme: Keno Hankel
Percussion: Prof. Thomas Zoller, Steffen Roth

Dresdner Kammerchor (Einstudierung: Tobias Mäthger)
Orchester befreundeter Musiker
Dirigent und Gesamtleitung: Prof. Hans-Christoph Rademann

Kombitickets zu Euro 15,00/erm. 10,00 an allen Reservix-Vorverkaufskassen, unter www.reservix.de und an der Abendkasse.

 

29.01.2019Allgemein