Dresden will kein zweites Münster werden

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Dresden will kein zweites Münster werden

Axel Köhler geht wieder an die Musikhochschule. Dort hat der 1960 im erzgebirgischen Schwarzenberg Geborene einst studiert, Violinpädagogik und Gesang, dort will er auch in Zukunft wirken, nun aber als Rektor. Damit ist das Interim, das sich seit dem vorzeitigen Rücktritt von Judith Schinker im Frühjahr ergeben hat, in gewisser Weise bereits mit ihrer Wahl 2015 eingeleitet und durch ihre erfolglose Bewerbung als Dezernentin in Trier noch potenziert hat, endlich vorbei. Wenn auch noch nicht ganz, jedenfalls nicht sofort: Über den Zeitpunkt des Amtsantritts von Axel Köhler soll noch verhandelt werden. Momentan ist der Rektor in spe als Regisseur am Rhein beschäftigt und inszeniert Johann Straußens Operette »Die Fledermaus« in Düsseldorf.

In diesem Erfolgsstück perlt und tönt zwar ohnehin jede Menge Champagner, doch heute dürfte auch außerhalb der Proben mit einem guten Tropfen angestoßen worden sein. Vielleicht gab es auch in Münster einen Trost-Tropfen, denn der einzige Mitbewerber Stephan Froleyks war bei der Abstimmung durch den Erweiterten Senat rasch aus dem Rennen. Er hatte ganz offenbar mit dem Verweis auf die dortigen Lehrmethoden nicht überzeugen können – schließlich will wohl niemand in Dresden ein zweites Münster haben. Und die dritte bis in die Endrunde vorgestoßene Kandidatin der ursprünglich 25 Bewerbungen? Sie ruderte zurück. Sarah Wedl-Wilson muss entweder von Dresden entsetzt gewesen sein – oder aber sie verspricht sich vom aktuellen Tumult bei den Osterfestspielen Salzburg, wo die einstige Mozarteums-Vizerektorin im Aufsichtsrat sitzt, größere Zukunftsaussichten. Dort wird an Weichenstellungen derzeit ja mit k.u.k.-bekannten Stilmitteln gewerkelt.

Foto: Stephan Floss

Dresdens Musikhochschule aber darf sich auf einen durchaus interessanten Mann freuen. Axel Köhler kommt aus der Praxis und bringt entsprechende Erfahrungen mit. Ob das ausreicht, den beschädigten Ruf der Lehreinrichtung rasch wieder zu retten? Auf jeden Fall hat Axel Köhler ein großes Aufgabengebiet vor sich und wird dafür hochschulintern schon mal als sehr guter Kommunikator gepriesen. Kritiker halten ihm zwar mangelnde Internationalität und Vernetzung vor, doch gilt er auf jeden Fall als leidenschaftlicher Verfechter des Musiktheaters, der sich vehement für eine praxisbezogene Ausbildung einsetzen dürfte. Dem breiteren Publikum ist er bislang vor allem als Sänger bekannt, hat eine erfolgreiche Karriere als Spielbariton und vor allem als Altus absolviert, gastierte wiederholt an den Staatsopern von Dresden, Hamburg, München und Wien, gehörte zuvor dem Ensemble der Oper Halle an, die er dann von 2009 bis 2016 geleitet hatte, zuletzt als Intendant. Diese Position hätte er wohl gerne auch an der Semperoper oder zumindest der Staatsoperette Dresden bekleidet, wo er derzeit als Sängerdarsteller und Regisseur beschäftigt ist. Mit der künftigen Leitung soll in der Amtsnachfolge von Wolfgang Schaller die völlig zu Unrecht mehrfach vorverurteilte Kathrin Kondaurow betraut werden.

Als Regisseur hat Axel Köhler bereits Erfahrungen an der Musikhochschule machen können, wo er 2008 »L’incoronazione di Poppea« von Claudio Monteverdi mit der Opernklasse inszeniert hatte. Personenführung kennt er gewiss auch aus seinen Arbeiten an den Bühnen der Semperoper sowie in Graz, London, Palermo und anderenorts. Wie Axel Köhler mit dem bürokratischen Apparat der pädagogischen Einrichtung umgehen kann, wird sich zeigen. Zunächst will er „jeden Mitarbeiter des Hauses kennenlernen und Kontakt zu den Studierenden aufnehmen“, hieß es am Montag. „Eine Bestandsaufnahme zum internen mentalen Zustand der Hochschule halte ich für einen gelingenden Start für besonders wichtig.“ Bis zum Amtsantritt von Axel Köhler wird die Hochschule weiterhin von der Prorektorin Rebekka Frömling interimistisch geleitet werden, die das ja bereits seit dem Frühjahr praktiziert.

03.12.2018Allgemein