Auftakt!

Rezensionen

Auftakt!

»Platee« (Premierenplakat)

Am Ende des Abends ist klar: Die neue Saison wird ereignisreich und vor allem hörenswert! Das Auftaktkonzert führte das Publikum einmal durch die verschiedenen Erlebnisse, die in dieser Spielzeit bevorstehen, und gab einen ersten Einblick in die kommende Zeit. Die Besucher der Semperoper erwartet eine abgewogene Mischung verschiedener musikalischer Epochen und Stilrichtungen. Von der französischen Barockoper über Publikumsmagneten wie »Carmen« bis hin zu Arnold Schönberg ist in dieser Saison alles vertreten.

Das Zusammenspiel von hervorragenden Sängern und der Sächsischen Staatskapelle unter Leitung von Johannes Wulff-Woesten machte das Konzert am Samstagabend zu einem Fest. Jeder der Solisten zeigte sein Können auf höchstem Niveau und weckte die Vorfreude auf die Spielzeit. Aus dem jungen Ensemble verzauberten Tahnee Niboro, Michal Doron, Chao Deng und Beomjin Kim mit stimmlichen Glanzleistungen, sympathischer Ausstrahlung, solistischen Darbietungen und Ensembleleistungen auf höchstem Niveau. Ein besonderer Höhepunkt des Abends: Beomjin Kim mit der Arie des Rodolfo aus »La Bohème«, „Che gelida manina“. Die Strahlkraft seiner Stimme erreichte die Herzen vieler Zuhörer; tosender Applaus. Aber nicht nur das junge Ensemble brachte das Publikum zum Staunen. Auch die Neuzugänge an der Semperoper sind eine Bereicherung für die kommende Zeit. Joseph Dennis, Iulia Maria Dan, Alexandros Stavrakakis und Stepanka Pucalkova sind seit Spielzeitbeginn Mitglieder des Solistenensembles und präsentierten sich von ihrer besten Seite.

Die Sächsische Staatskapelle unter Leitung von Wulff-Woesten brillierte ihrerseits mit innerer Homogenität und einem volltönigen Gesamtklang, der sich in einzelnen Darbietungen aus Verdis Bel-canto-Oper »Nabucco« oder Strauss »Ariadne auf Naxos« hervorragend mischt. An dieser Stelle hörten wir Camilla Nylund in der Rolle der Ariadne, da sie in dieser Spielzeit in der Semperoper gastieren wird. Weg vom Kernrepertoire der Sächsischen Staatskapelle führt uns die Oper »Platée« von Jean-Philippe Rameau, einem Zeitgenossen Händels, was für Sänger und Orchester tatsächlich eine Herausforderung ist. Mit modernen Instrumenten barocke Gesten zu imitieren, ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen. Umso mehr macht es Freude, Inga Kalna in der Rolle der »La Folie« zu hören und zu sehen.

Die erste Premiere dieser Spielzeit lässt auch nicht mehr lang auf sich warten. Am 29. September erleben wir Sir John Tomlinson und Lance Ryan in den Titelfiguren der Oper »Moses und Aron« von Arnold Schönberg. Die beiden hochkarätigen Sänger bewiesen sich auch am Samstag in einem Duett aus dem Werk. Die komplex gearbeitete Tonsprache Schönbergs ist keine leichte Kost, doch wird sie von Ryan und Tomlinson überzeugend verarbeitet und interpretiert.

Zum Abschluss des Konzertes bekam das Publikum noch einen Einblick in die kommenden Liederabende und Symposien, die in der Semperoper stattfinden werden. Lieder von Schönberg und Strauss wurden von der Mezzosopranistin Christa Mayer hervorragend interpretiert. Nachdem die Staatskapelle noch den »Tanz der Komödianten« aus Smetanas »Die verkaufte Braut« zum Besten gab, brach das Publikum in Jubel aus. Das Auftaktkonzert hat sein Ziel offenkundig erreicht: viele der Zuhörer werden wohl die Saison über wiederkommen, um nach dem bunten Häppchenabend einmal eine volle Speisenfolge zu erleben.


Mit fast 400 Vorstellungen, zwölf Premieren – davon drei Ballettproduktionen und zwei Premieren der Semperoper Junge Szene – sowie über 30 Repertoirestücken in allen Sparten darf sich das Publikum auch in der gerade begonnenen Spielzeit wieder auf anregende Produktionen an der Semperoper Dresden freuen. Am 29. September 2018 eröffnet die Neuinszenierung von Schönbergs Schlüsselwerk »Moses und Aron« unter der Regie des bildstarken Katalanen Calixto Bieito die Saison. Unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann und inszeniert von David Hermann folgt als nächste Opernpremiere am 2. Dezember Richard Strauss’ »Ariadne auf Naxos« in einer Koproduktion mit der Opéra national de Lorraine, Nancy sowie mit der Opéra de Lausanne. Mit Bedřich Smetanas komischer Oper »Die verkaufte Braut« präsentiert ab 8. März 2019 die international gefeierte Regisseurin Mariame Clément erstmals eine Arbeit an der Semperoper. Im April 2019 (Premiere am 6. April) wird dann die französische, ursprünglich als Ballettoper konzipierte Barockoper »Platée« in einer Neuinszenierung des Opern-Stars Rolando Villazón erstmalig in Dresden zu genießen sein Ein weiteres Highlight im Premierenplan 2018/19 stellt die Aufführung von Giuseppe Verdis Oper »Nabucco« am 25. Mai 2019 unter der Musikalischen Leitung des neuen Ersten Gastdirigenten Omer Meir Wellber dar. In der Inszenierung von David Bösch – zuletzt 2017 in Dresden für sein Debüt mit Korngolds »Die tote Stadt« gefeiert – wird Plácido Domingo in den Aufführungen am 5., 9. und 15. Juni 2019 die Titelpartie singen. Den Abschluss des Premieren-Reigens in der Semperoper Dresden bildet die Premiere von Giacomo Meyerbeers Oper »Les Huguenots / Die Hugenotten« am 29. Juni 2019 (weitere Vorstellungen im Juli) unter der Musikalischen Leitung von Alexander Vedernikov. Regisseur Peter Konwitschny kehrt mit der Inszenierung dieses zentralen Werks der französischen Grand opéra nach Dresden zurück.

Die Spielstätte Semper Zwei lädt am 13. Oktober 2018 zur Premiere von Bruno Modernas Kammeroper »Satyricon« in der Inszenierung von Georg Schmiedtleitner ein, die in Kooperation mit den Osterfestspielen Salzburg und dem Teatro Comunale Luciano Pavarotti in Modena entstand. Am 26. April 2019 folgt die deutschsprachige Erstaufführung von »4.48 Psychose« in der Komposition von Philip Venables nach dem gleichnamigen Stück von Sarah Kane. Ebenfalls in Semper Zwei kommt in der Sparte Semperoper Junge Szene Jacques Offenbachs schwarzhumorige Operette »Häuptling Abendwind« in der Inszenierung des Künstlerischen Leiters Manfred Weiß unter der Musikalischen Leitung des Leiters des Jungen Ensembles Thomas Leo Cadenbach am 14. Dezember 2018 zur Premiere (weitere Vorstellungen im Dezember 2018 und Januar 2019). 

24.09.2018Rezensionen