Musikfest mit Manege auf Marktplatz

Kolumnen

Musikfest mit Manege auf Marktplatz

Römerlager mit Zelten. Bühnenbild Atto Terzo, Scena II, Auftritt der fechtenden Aruns und Clodion aus der Oper „Camillo generoso“ von Carlo Luigi Pietro Grua, genannt Pietragrua (Librettist unbekannt). Dresden, Opernhaus am Taschenberg, zur Fastnacht 1693 (Quelle: Deutsche Fotothek, Datensatz 90020134)

Der Sommer geht vorüber – und in Sachsen werden die Zelte aufgeschlagen. Eins steht in der Dresdner Problemzone von Prohlis, das andere im Zeichen des Barock. Sie haben scheinbar nichts miteinander zu tun – und sind doch eine wunderbare, ja, eine circensische Ergänzung des sächsischen Spätsommers.

Das Dresdner Societaetstheater setzt auf kulturelles Brachland im Plattenbauviertel. Dort wird derzeit der 1. Prohliser Theatersommer ausgerichtet (noch bis zum 16. September). In einem Theaterzelt auf dem Albert-Wolf-Platz sollen dem Publikum – bei freiem Eintritt! – die Reize von Literatur, Musik, Tanz- und Theaterkünsten vermittelt, na, wenigstens nahegebracht werden. Wenn man so will, dann ist dieses Theaterzelt in Prohlis eine temporäre Außenstelle des Societaetstheaters. Verknüpft mit der Hoffnung, dass Kunst und Kultur wieder in randstädtische Gebiete vordringen werden, um die dortige Einwohnerschaft für Kunst und Kultur zurück(?)zugewinnen.

Foto: Martin Morgenstern

Beim Musikfest Erzgebirge sieht das Ganze ein wenig anders aus. Hier ist es erklärtes Ziel, die namengebende Region kunst- und kulturvoll zu bespielen. Gründungsintendant Hans-Christoph Rademann will die Gegend, die ihn geprägt hat, mit Leben erfüllen. Will ihr etwas zurückgeben. Darum initiiert der Kantorensohn und einstige Kruzianer seit 1994 regelmäßig dieses Musikfest. In diesem Jahr währt es vom 6. bis zum 16. September. Da ist zwar für viele Menschen das Zelten eigentlich schon vorbei, doch auf dem Marktplatz von Annaberg-Buchholz wird jetzt erst recht das ganz große Zelt aufgeschlagen. Ein barockes Spiegelzelt!

In insgesamt zehn Vorstellungen sollen darin »Barocke Circusträume« geträumt, nein, erlebt werden. Als große Premiere und einmalig in ganz Europa wird dieses Spektakel angepriesen, das auf uralte Traditionen zurückgeht und sich speziell auf die Geburtsstunde des modernen Zirkus’ im Jahr 1768 beruft. Damit soll die einst höchst populäre Kunstform des ebenso bunten wie ergreifenden Theaters unter der Manege wieder aufgegriffen und wiederbelebt werden. Mitwirkende sind das La Folia Barockensemble um den Geiger Robin Peter Müller sowie zahlreiche Artisten, Jongleure und Akrobaten, die in der Regie von Tim Schneider für Faszination an diesem Sehnsuchtsort der Träume sorgen werden. Auch Clownerie darf natürlich nicht fehlen, wenn historische Aufführungspraxis mit »Barocken Circusträumen« wieder verbunden werden – denn diese Liaison sind sie vor 250 Jahren ja bereits schon einmal eingegangen.

Robin Peter Müller im Zirkuszelt (Foto: Mathias Marx)

P.S.: La Folia kommt diesen Monat auch wieder nach Dresden, allerdings nicht im Zirkuszelt, sondern unter der Kuppel der Frauenkirche, um am 15. September mit der bezaubernden Sopranistin Regula Mühlemann ein Konzert zu geben, das ganz im Zeichen von Cleopatra stehen wird.

Besucher können die »Barocken Circusträume« am 7., 8., 10. und 11. September jeweils ab 15.00 bzw. 19.30 Uhr erleben. Am Sonntag, dem 9. September 2018 laden Vorstellungen um 11.00 und 14.00 Uhr ein. Diese werden am »Mehrgenerationentag« für all jene ermäßigt angeboten, die entweder mit Kindern oder Eltern kommen. Für die 15-Uhr-Vorstellung am 10. September ab 15.00 Uhr gelten ermäßigte Preise von 3,- EUR für Schülergruppen ab sieben Personen; zwei begleitende Erwachsene zahlen jeweils 10,- EUR Eintritt. Reguläre Tickets sind in den Freie-Presse-Shops der Region, über reservix.de und vor Ort im Organisationsbüro des Musikfestes Erzgebirge (Buchholzer Straße 1, 09456 Annaberg-Buchholz, Tel. +49 (0)351 31414820, ticket@musikfest-erzgebirge.de) erhältlich.

07.09.2018Kolumnen