Braucht Dresden ein neues Klaviertrio?

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Braucht Dresden ein neues Klaviertrio?

Melchior Küsel: »Triumph des Jesuitenordens« (Mitte 17. Jh.). Quelle: Deutsche Fotothek, http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71246954

Dresden hat eine reiche Landschaft freier Ensembles. Das Besondere eines Trios ist seine immer gleiche Besetzung. In diesem Rahmen entsteht ein ganz spezielles Experimentierfeld, in dem es gilt, musikalische Möglichkeiten und Grenzen auszuloten. Eine Herausforderung, die Spieler wie Komponisten gleichermaßen betrifft. Während variable Ensembles mit einem größeren Spektrum an Instrumenten von der Vielfalt an Besetzungen profitieren, kann ein festes spezielles Ensemble in einem abgegrenzten Bereich in die Tiefe gehen.

Uta-Maria Lempert (Violine) und Matthias Lorenz (Violoncello) haben mit dem elole-Klaviertrio das zeitgenössische Dresdner Kammermusikleben seit Jahren geprägt. Nach einer Zeit des Umdenkens spielen sie seit dem Sommer 2018 nun in neuer Besetzung mit dem Ziel, die bewährten elole-Ideen mit neuem Schwung über das hinaus zu treiben, was bereits stattgefunden hat. Also: In guter Tradition verhaftet (so sind etwa alle Stücke des Programmes vom 23.8. für elole geschrieben worden), aber mit dem Blick nach vorn auf neue Herausforderungen und Möglichkeiten.

Am Donnerstag den 23. August 2018 um 19.30 Uhr spielt das Neue Klaviertrio Dresden im Deutschen Hygienemuseum sein erstes Konzert. Am Klavier ist Clemens Hund-Göschel (Berlin) zu hören. Im Rahmen der Konzertreihe »Mensch und Mensch« des Klangnetz Dresden e.V. und in Verbindung mit der Ausstellung »Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen« trägt das Programm den Titel »Darf man das?«

Programm:

Petr Cígler (1978): Jagdtrio (2015)
Bernhard Lang (1957): Monadologie XX ……für Franz (2012)
Arturas Bumšteinas (1992): Concentric Piece #1 (from Salvatore) (2009)
Robin Hoffmann (1970): 2EE – für Erwachsene, mit erheblichen Vorbehalten (2015)

Wie wäre das Thema Rassismus auf Neue Musik zu beziehen? Wie immer, durch Ablehnung und Denkverbote. Dieses Programm widmet sich Aspekten von Musik, die in Neuer Musik gewöhnlich nicht vorkommen.

Darf Neue Musik im Alltag verhaftet und komisch sein? Wir und Petr Cígler finden: Ja. Darf Neue Musik romantische Musik vermittels Looptechnik aufgreifen und damit auch tonal werden? Wir und Bernhard Lang finden: Ja. Darf Neue Musik andere Neue Musik aufgreifen, sie nicht nur loopen, sondern auch den festen Notentext Richtung Improvisation verlassen? Wir und Arturas Bumšteinas finden: Ja. Darf Neue Musik sich bei Rock’n Roll bedienen und tanzbar werden? Wir und Robin Hoffmann finden: Ja.

Neues Klaviertrio Dresden
Uta-Maria Lempert, Violine
Matthias Lorenz, Violoncello
Clemens Hund-Göschel, Klavier

17.08.2018Features