Aus-ge-rung-en?

Kolumnen

Aus-ge-rung-en?

An diesem Wochenende wird nicht nur an der Dresdner Semperoper weiter gewagnert, der »Ring« zieht seine Kreise auch anderswo an sächsischen Opernhäusern. Einen Tag vor Christian Thielemanns »Götterdämmerung« in Dresden startet ein Stück weiter westlich Guillermo García Calvo mit »Rheingold« in Chemnitz. Auftakt zu einer neuen Tetralogie, die von vier verschiedenen Regisseurinnen verantwortet wird. Den Vorabend zum Bühnenfestspiel inszeniert Verena Stoiber. Wie vorab schon zu hören ist, sind die Erwartungen immens, Karten für die längst ausverkaufte Premieren sollen zu horrenden Schwarzmarktpreisen gehandelt werden. Bei den nächsten Aufführungen am 22. Februar sowie am 3. und 31. März sollen die Chancen derzeit noch besser stehen. Auch die Oper Leipzig hat ihre »Ring«-Inszenierung noch einmal aufpoliert und wird sie nach einer ersten Serie im Januar noch zweimal präsentieren – vom 11. April an sowie ab 10. Mai. Der Vorverkauf läuft Angaben des Hauses zufolge prächtig, Wagnerianer sollten sich also sputen, um von den wenigen Restkarten noch was zu erheischen.

Allein in Dresden, wo der Besucheransturm ohnehin enorm und spürbar international gewesen ist, wurden zu den beidem Zyklen ganz neue Töne in den Ring geworfen. Das lag einerseits an den launigen und meist gut besuchten Einführungen von Stefan Mikisch, der von der Gesellschaft der Freunde der Staatskapelle nach Dresden geholt worden ist, andererseits aber auch an erschreckender Kommunikation. Während die pianistisch und verbal brillant gestalteten Stück-Einführungen bestens geplant waren (und obendrein einen erklecklichen Förderbetrag für die Oper abwerfen dürfte), soll die – musikalisch durchweg beachtliche und mit einem Spitzenensemble besetzte – »Ring«-Tetralogie „schlecht geplant“ gewesen sein. Die Gründe dafür? „Mangel an Kommunikation zwischen den Beteiligten: niemand übernimmt Verantwortung“ – so jedenfalls hat es Chefdirigent Christian Thielemann in einer Hausmitteilung festgehalten.

Zwar durfte der Wagner-Experte mit der Staatskapelle Abend für Abend in heftigstem Beifall baden, das verschloss ihm aber nicht den Blick darauf: „Hier wurde Raubbau betrieben an den Solisten, am Orchester und nicht zuletzt an mir.“ So klingt Theaterdonner, der nach „einer besseren Probendisposition“ verlangt und „personelle Konsequenzen“ fordert.

Da ringen also international so bekannte wie begehrte Sängerinnen und Sänger um Bestleistungen im Zeichen von Walhall, „während die Fehlplaner mit gesenkten Köpfen an den Seiten stehen.“ Das Ringen geht also weiter.

02.02.2018Kolumnen