Kosmospolitische Sternstunden

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Kosmospolitische Sternstunden

Bernd Sikora an Belllithoxyl und Udu-Drum (Glocken/Stein/Holz-Xylophon). Fotos: P. Bäumler

Der Ernst-von-Schuch-Preis ist in diesem Jahr zum vierten Mal verliehen worden und gilt sowohl als Reminiszenz an den großen Generalmusikdirektor der Dresdner Hofoper als auch als motivierende Würdigung der Dirigenten von heute und morgen. Erhalten hat ihn diesmal der 1988 in Teheran geborene Komponist und Dirigent Hossein Pishkar, der momentan an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf studiert.

In einer kleinen, aber kosmopolitisch weltoffenen Feierstunde wurde diese Ehrung am Donnerstag Abend im Festsaal des Landhauses Dresden (Stadtmuseum) vergeben. Kreiert worden ist sie von der 2011 gegründeten Familienstiftung Ernst Edler von Schuch, um dem einstigen Generalmusikdirektor der Dresdner Hofkapelle ein bleibendes Angedenken zu stiften. Schuchs Urenkelin Martina Damm, Sprecherin der Familienstiftung, wertete diese Preisverleihung ganz im Sinne des europäischen Gedankens. Damit dürfte der 1846 in Graz geborene Ernst von Schuch sehr einverstanden gewesen sein, denn er war sowohl an der New Yorker Met wie in Sankt Petersburg, Paris, Wien und Bayreuth künstlerisch tätig.

Am aktuellen Preisträger Hossein Pishkar dürfte Schuch seine Freude gehabt haben, denn der wurde als „Kapellmeister mit Bodenhaftung“ gepriesen, der aus Polen stammende Laudator Boguslaw Jan Strobel, an Düsseldorfs Musikhochschule als Klavierprofessor tätig, würdigte ihn gar als „Perfektionist aus Liebe zur Musik“.

Die eigens aus der Schweiz angereiste Gerhild von Schuch ermahnte den persischen Preisträger, er solle „als sanfter Feldherr“ das Erbe Ernst von Schuchs übernehmen. Die ersten Schritte dazu hat Hossein Pishkar – und dies durchaus im Einklang mit seinen Vorgängern – bereits erfolgreich angetreten. Ende September errang Hossein Pishkar im Deutschen Dirigentenwettbewerb den ersten Preis, was von Jurymitglied Stephan Mösch folgendermaßen begründet worden ist: „Eine große Klangfantasie, eine Natürlichkeit, die sich in das Orchester hineinkommuniziert hat. Natürlich auch eine schlagtechnische Souveränität, aber auch eine stilistische Vielfalt. Der konnte wirklich von Haydn bis in die Moderne hinein gleichermaßen punkten. Und was ihn auch ausgezeichnet hat, das ist die Fähigkeit, Probenstrategien zu entwickeln.“

Beim diesmal in Köln ausgetragenen Dirigentenwettbewerb sind neben Hossein Pishkar auch Dominik Beykirch und Vladimir Yaskorski, die Ernst-von-Schuch-Preisträger 2015 bzw. 2014, mit Preisen bedacht worden.

Hossein Pishkar hat also beste Zukunftsaussichten, auch wenn er mit sympathischer Bescheidenheit darauf hinweist: „Ich stamme aus keiner musikalischen Familie. Aber meine Eltern haben erkannt, dass ich die Musik liebe. Und sie haben mich machen lassen.“ Pishkar begann in Teheran ein Kompositionsstudium und wird seit 2015 vom deutschen Dirigentenforum gefördert. Musik will er als „geistigen Boden der Menschlichkeit“ verstehen, sie werde „von Menschen für Menschen“ gemacht und betone „ein Streben nach Gemeinsamkeit, das alle Unterschiede wie Herkunft, Haut- oder Haarfarbe“ in den Hintergrund treten lasse.

Einen wesentlichen Anteil an der Weltoffenheit dieser Feierstunde im Namen von Schuch hatten – neben einer Videoeinblendung, die den Preisträger Hossein Pishka beim Dirigieren in Strasbourg gezeigt hat – die Musiker Ali Pirabi und Bernd Sikora mit persischen Klängen, in denen Tradition und Moderne verschmolzen.

15.10.2017Features