Zeit für die Kunst

Kolumnen

Zeit für die Kunst

Was bislang zu den Höhepunkten der Dresdner Musikfestspiele zählte, die Verleihung des einst als „Saeculum“ ins Leben gerufenen Glashütte Original  Musikfestspiel-Preises, geriet im aktuellen Jahrgang beinahe zu etwas Nebensächlichem.

In nur wenigen Minuten vor der Konzertpause ging, was einst als Festakt bezeichnet worden war, über die Bühne. Dieses Mal über die des neuen Konzertsaals im Kulturpalast. Intendant Jan Vogler freute sich, den nach wie vor mit 25.000 Euro dotierten Preis „erstmals an einen Kollegen“ vergeben zu können, an den britischen Cellisten Steven Isserlis.

Der hatte zuvor das Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 58 von Sergej Prokofjew dargeboten, und zwar in der aus den 1930er Jahren stammenden Urfassung. Ein außergewöhnliches Konzertstück nach wie vor, schon aufgrund seiner mit einem Andante beginnenden Satzfolge, vor allem aber wegen der herausfordernden Wechsel von melodiöser Ruhe und virtuosen Aufregern. Isserlis hat das Eine wie das Andere nicht nur bestens bewältigt, sondern homogen miteinander verflochten. Freie Hand zur Entfaltung ließ ihm dabei das bravourös von Vladimir Jurowski geleitete London Philharmonic Orchestra, das zudem mit Michail Glinkas 2. Spanischer Ouvertüre eine weitere Rarität bereithielt und mit der Sinfonie Nr. 15 A-Dur op. 141 den summarischen Schwanensang von Dmitri Schostakowitsch zu orchestral prachtvoller Blüte trieb.

Der Musikfestspiel-Preis ist daran gekoppelt, dass sich die damit geehrten Künstlerinnen und Künstler – in der Vergangenheit etwa Kurt Masur, John Neumeier, Hélène Grimaud, Hilary Hahn sowie Andris Nelsons – neben ihrem exzellenten Können auch auch der Förderung von künstlerischem Nachwuchs verschreiben.

31.05.2017Kolumnen