Bleibende Werte

Kolumnen

Bleibende Werte

Wer in Dresden von Oper spricht, sagt ganz selbstverständlich: Semperoper. Dieser Name ist längst auch überregional zu einem Inbegriff des Musiktheaters geworden. Dabei ist dieser Begriff in der reichen Musikgeschichte der einstigen Residenzstadt noch relativ jung, denn vor dem ersten Semper-Bau hat es mehrere andere Spielstätten gegeben.

Am 27. Januar 1667 wurde erstmals ein Opernhaus in Dresden eröffnet, das Kurfürstliche Opernhaus am Taschenberg, genannt das »Klengelsche Opernhaus«, denn der Baumeister hieß Wolf Caspar von Klengel. Zur Eröffnung wurde Giovanni Andrea Moniglias »Il Teseo« präsentiert. Italienische Oper war schon immer gefragt. In Italien schlug – Monteverdi sei Dank – schließlich auch die Geburtsstunde dieser Gattung, die mit der Kraft der Musik, der Schönheit des Gesangs und der lebendigen Darstellung großer Gefühle die Menschen überall in der Welt als Gesamtkunstwerk berührt. An den Ursprünge des Dresdner Musiktheaters erinnerte vor wenigen Wochen ein Kolloquium in Semper Zwei, das von der Sächsischen Staatsoper und dem Dresdner Geschichtsverein initiiert und ausgerichtet worden ist.

Der Brand des Königlichen Hoftheaters 1869.

Letzterer hat nun, als Herausgeber der Dresdner Hefte, die wesentlichen Inhalte des Kolloquiums zusammengefasst und mit einer Handvoll weiterer Aufsätze angereichert. Ergebnis ist das Dresdner Heft Nr. 129, in dem so ziemlich alles zur Operngeschichte der Stadt nachzulesen ist. Vor der ersten Semperoper, die 1841 eröffnet worden ist, sind nicht weniger als neun Vorgängerbauten nachgewiesen, freilich an wechselnden Orten. Dresden hat damit beizeiten eine besondere Rolle in der europäischen Musiktheaterlandschaft gespielt. Davon zeigte sich Romy Petrick, exzellente Sängerin und promovierte Musikwissenschaftlerin in Personalunion, überzeugt: „Dresden ist einfach ein Ort, an dem Musikgeschichte lebendig wurde, an dem sie passiert ist. Wir können vielleicht noch Venedig und Wien nennen, die so ein geballtes Wissen und auch Uraufführungspotential hatten wie Dresden.“ Romy Petrick zählte für einige Jahre zum festen Ensemble der Semperoper und dürfte eine von nur ganz wenigen Opernsängerinnen mit Doktortitel sein, denn die Sopranistin hat zum bürgerlichen Musik- und Theaterleben Dresdens im 18. Jahrhundert promoviert. Ihr Herangehen an die Forschung neben dem Gesang begründete sie folgendermaßen: „Mir ging es gar nicht um die Partituren und die Musik, sondern um die Menschen. Mir ist es immer wichtig, warum die Menschen zu einer gewissen Zeit so eine Musik gemacht haben? Warum machen wir diese Musik heute noch, was bewegt uns daran?“ Die Sängerin wollte aus ihren Recherchen stets eine Lehre ziehen und daran reifen. Denn sie ist davon überzeugt, dass dieses Wissen „uns Sängern für die Interpretation sehr viel geben kann.“ Weitere lesenswerte Beiträge in diesem Heft stammen von Praktikern und Musikwissenschaftlern wie Peter Gülke, Matthias Herrmann und Dorion Weickmann. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen am Theater reflektiert die Regisseurin Christine Mielitz. Hannes Heer widmet sich den braunen Geschichten der Dresdner Theater. Das Resultat ist keine rasche Lektüre, um eben mal auf den Opernbesuch einzustimmen, sondern ein informativer Rundumschlag zu einem unsterblichen Thema.

»Ohrenschmaus und Augenlust« – 350 Jahre Oper in Dresden
Dresdner Hefte Nr. 129, 133 Seiten, 5 Euro
ISBN 978-3-944019-18-5

05.05.2017Kolumnen