Dresden wird Mozartmetropole

Kolumnen

Dresden wird Mozartmetropole

Jede echte Musikstadt sollte selbstverständlich auch Mozart-Stadt sein. Geht doch gar nicht anders. Oder? Schlappe zwei Jahrhunderte nach des Meisters Besuch an der Elbe – um ehrlich zu sein, ist das 1789 wohl eher eine Durchreise gewesen, der Wunderknabe wollte von Wien aus via Prag ganz rasch nach Berlin – hat dies nun auch Dresden erkannt und ruft für zwei Wochen die Mozart-Tage der Semperoper aus. Zum Auftakt ist die Sächsische Staatskapelle noch in der Mozart-Stadt Salzburg, um sich und das 50jährige Bestehen der dortigen Osterfestspiele zu feiern. Für Konzerte und Opern in Mozart-Besetzung sind dennoch ausreichend Orchestermitglieder In Dresden vor Ort. Vor allem jedoch eine Reihe ambitionierter Ideengeber.

Die haben die letzten Aufführungen von »La Clemenza di Tito« in der Regie von Bettina Bruinier nebst der Neuinszenierung von »Die Entführung aus dem Serail« durch Michiel Dijkema mit zwei Serien des Mozart/Da-Ponte-Zyklus’ gewürzt – und die Mozart-Tage waren beinahe schon fertig. Denn mit diesen Zutaten sollte das erhoffte Feuerwerk doch wohl zünden? Zumal die ersten Bilder der »Entführung« eine durchaus zauberhafte und vielfarbige Produktion versprechen. Vielleicht sogar eine märchenhafte Entführung in die Mozart-Welt?

Neben dieser Neuinszenierung leben die Mozart-Tage der Semperoper aber vor allem von vorhandenem Repertoire. Mozart-Freunde dürfen sich da vor allem auf den kompletten Da-Ponte-Zyklus freuen. Der wurde im Laufe der vergangenen Jahre von Andreas Kriegenburg (»Don Giovanni« / »Così fan tutte«) und Johannes Erath (»Le nozze di Figaro«) inszeniert. Der junge israelische Dirigent Omer Meir Wellber hat sich all diesen drei Opern in besonderer Weise zugewandt, dabei seine große Liebe zum Meister entdeckt und nach seinen Dresdner Erfahrungen mit diesem Zyklus sogar ein Buch darüber geschrieben (»Die Angst, das Risiko und die Liebe«). In seiner musikalischen Handschrift wird das Operntrio nun quasi gebündelt zu erleben sein. Jedes Werk gibt es zweimal während der Mozart-Tage.

Neu ist aber auch ein Mozart-Pasticcio, das ebenfalls ganz wesentlich mit dem Namen Omer Meir Wellbers verbunden ist. Es war ihm ein Anliegen, sich ganz persönlich einzubringen und mit diesem Pasticcio mal weiterzuspinnen, was denn passieren würde, wenn sich die Hauptfiguren aus Mozarts Da-Ponte-Opern direkt begegnen würden. Vielleicht erklärt ja erst das den dramaturgischen Zusammenhalt für diesen Zyklus? Unter Wellbers Leitung wird Regisseur Niv Hoffmann dieses Pasticcio auf der kleinen Spielstätte Semper Zwei inszenieren. Untertitel: »7 Personen auf der Suche nach ihrer Oper«.

Und neben all diesen Opern, wiewohl sie nur ein relativ kleiner Querschnitt aus dem reichen OEuvre des Frühvollendeten sind, hält das Programm dieser zwei Wochen neben einer Semper Matinee, in der es bei einem Ausflug in die Wiener Klassik um »Mozart und Zeitgenossen« geht, noch ein Sonderkonzert der Sächsischen Staatskapelle bereit – auch das unter der musikalischen Leitung von Omer Meir Wellber – und darüber hinaus einen Aufführungsabend der Kapelle unter Felix Bender, in dem neben Mozarts »Linzer« Sinfonie Musik von Hans Werner Henze und  Capell-Compositrice Sofia Gubaidulina erklingt. Das Sonderkonzert beinhaltet übrigens neben Mozarts Sinfonien Es-Dur und g-Moll (KV 16 und 183) sein G-Dur-Klavierkonzert KV 453 mit dem Solisten Kit Armstrong sowie die Komposition »Moz-Art à la Haydn« von Alfred Schnittke. Mit diesem Programm gastiert die Staatskapelle am 25. April auch zum Rostropowitsch-Festival in Baku.

Somit werden die Mozart-Tage Dresden sogar noch zu einem Export-Schlager! Bis zum 28. April währt dieses besondere Musikfest an der Semperoper, das – mit namhaften Interpreten – tatsächlich ein Feuerwerk zu werden verspricht und Dresden für eine Weile zur wahrhaften Mozartmetropole werden lässt.

15.04.2017Kolumnen