Heiliger Dankgesang

Rezensionen

Heiliger Dankgesang

Foto: Matthias Creutziger

Die Kammerabende der Staatskapelle sind seit 1854 eine Selbstverpflichtung des Orchesters, Kammermusik vorzustellen. Die Aufführungen des früheren Tonkünstler-Vereins sind kammermusikalische Weiterbildung und fürs Publikum Zeichen der künstlerischen Reife der Musiker. Der 5. Kammerabend vom vergangenen Donnerstag wurde getragen vom Dresdner Streichquartett, das von Thomas Meining als Primarius geleitet wird und in langjähriger Erfahrung mit Barbara Meining, Andreas Schreiber und Martin Jungnickel zu einem echten Quartett zusammenwuchs. Hier wirken nicht Einzelleistungen vordergründig, sondern die Vier ergeben  zusammen ein Instrument – eben das Streichquartett. So  wurden die vorgestellten Werke von Joseph Haydn (Einleitung zu den sieben Worten Jesu am Kreuz), Dmitri Schostakowitsch (9. Quartett) und besonders Beethovens Opus 132 in a-Moll zu einem tief bewegenden Ereignis. Dieses Spätwerk von 1825, also zwei Jahre vor Beethovens Tod komponiert, entstand nach schwerer Krankheit, die deren Anfänge zu unterbrechen zwang. An die Überwindung erinnert der 3. Satz, ein Adagio molto, das er überschrieb: „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“. Der Hinweis aus das Lydische (F-Dur ohne b), also einer alten Kirchentonart, soll den religiösen Grundton der dafür erfundenen Hymne andeuten. Das Ringen, ja Kämpfen um die Überwindung der bedrückenden Erlebnisse kennzeichnet den Grundcharakter dieses Werks. Und das auf der Bühne der Semperoper gestaltende Quartett vermochte diese Situation lebendig nachzugestalten und so den Zuhörern spannungsvoll zu vermitteln. Das war ein Erlebnis besonderer Art; und das Allegro appassionato des Finales entwickelt sich schließlich nachvollziehbar zu einem befreienden Schluss, aber nicht ohne gelegentliches Erinnern an überwundene Belastungen. Was hier an tiefsinnigen Betrachtungen zu Lebensschwierigkeiten und ihrer Überwindung sich entfaltete, erinnert an jene Beethovensche Idee des per aspera ad astra. Etwas locker, unmittelbar wirksam in den Gestaltungsprinzipien packend, wirkte das 9. Streichquarett von Dmitri Schostakowitsch, mit dem der Konzertabend ausklang.

13.01.2017Rezensionen