Wenn der Mops mit der Wurst übern Eckstein springt

Rezensionen

Wenn der Mops mit der Wurst übern Eckstein springt

Fotos: Matthias CreutzigerFotos: Matthias Creutziger

Im Rahmen eines Sinfoniekonzerts mit unterhaltsamer Note bot die Staatskapelle in der Semperoper ein packendes, aber auch erheiterndes Silvesterkonzert. Die gewichtigen Werke waren Max Bruchs Violinkonzert (das in g-Moll natürlich) und Tschaikowskis Fantasie-Ouvertüre »Romeo und Julia«. Das Violinkonzert wurde gestaltet von Nikolaj Znaider, der den Besuchern der Kapellkonzerte noch in bester Erinnerung sein dürfte durch seine Interpretation des Beethoven-Violinkonzerts im Juni 2016. Auch hier bot er eine faszinierende Wiedergabe, mitreißend im Nachspüren der dramatischen Akzente und hinreißend in der Bravour der Solopartie. In Christian Thielemann fand er einen mitgestaltenden Partner, der die orchestralen Angebote der Staatskapelle in beiderseitigem Interesse zu realisieren vermochte. Bravi gab es genug, langanhaltenden Beifall auch für Tschaikowskis plastisch erfasste Bilder um das berühmte Liebespaar nach Shakespeare. Umrundet wurden die beiden seriösen Werke von erheiternd unterhaltsamen und auch von Orchester mit Spielfreude meisterlich gebotenen Ouvertüren Emil Nikolaus von Rezniceks »Donna Diana« am Anfang und Franz von Suppés »Leichte Kavallerie« am Ende. Eingefügt wurden launige Schmankerl wie zwei Arrangements von Fritz Kreislers Wiener Liedern mit Nikolai Znaider als Solisten.  Rossinis »Wilhelm Tell«-Ouvertüre ergänzte das Programm mit seinem schmissigen Galopp am Ende. Tosender Beifall lohnte diesen Abend.

Diesem Konzert vom Vortag folgten bei der Philharmonie drei Aufführungen zu Silvester und am Neujahrstag im Albertinum unter dem Titel »Aufforderung zum Tanz«. Und natürlich stand am Anfang denn auch Carl Maria von Webers gleichnamiges Klavierwerk in der Orchesterfassung von Hector Berlioz. Das Programm, das die französische Dirigentin Ariane Matiakh mit guter Laune und treffender Einfühlung leitete, war getragen von vielfältigen Werken tänzerischen Charakters. Der Weberschen »Aufforderung«  folgte der „Ball“-Satz aus der »Fantastischen Sinfonie« von Berlioz.  Der Franzose Camille Saint-Saen schrieb für den damals 15jährigen Pablo da Sarasate ein Violinkonzert, aus dem das Finale »Introduktion und Rondo capriccioso« wirklich kapriziös und mit einem Wirbel an virtuosen Kunststücken von der chinesischen Geigerin Tianwa Yang hinreißend geboten wurde. In gleicher Weise bewundernswert stellte sie die »Zigeunerweisen« von Sarasate vor. Als Zugabe nach dem wilden Beifall spielte sie voller Temperament und hinreißender Virtuosität die Carmen-Fantasie des Spaniers, unvergesslich voller Temperament und mit  bewundernswert virtuosen Details. Das waren gefeierte Höhepunkte!  Aber auch die Dirigentin brillierte mit Bartoks »Siebenbürgischen Tänzen«, mit Gershwins Musicalweisen der Ouvertüre zu »Girl Crazy«, mit Manuel de Fallas wahrhaft feurigem Feuertanz aus dem Ballett »Zauber der Liebe« und am Ende mit Maurice Ravels »La Valse«. Hier gelang Ariane Matiakh eine atemberaubende, apokalyptische Walzerfantasie des Werkes von 1920 als Vision des Untergangs jener bürgerlichen Walzerwelt, die mit dem 1.Weltkrieg ihr Ende signalisiert. Um diese nicht gerade silvestergemäße, aber nachdenklich machende Wirkung abzufangen, erklang am Schluss der in heitere Ausgelassenheit zurückführende Radetzky-Marsch, der wie stets das Publikum zum Mitklatschen inspirierte. Der begeisterte Beifall für dieses  locker gefügte Programm galt auch dem Moderator Daniel Finkernagel, der das bunte Bild des Orchesters (Damen in vielfarbigen Kleidern) mit launigen Einfällen auf eigene Weise  akzentuierte.

Wenn man die Konzerte zum Jahreswechsel rühmt, so darf auch jene alljährlich Spätabend-Veranstaltung in der stets voll besetzten Kreuzkirche nicht fehlen, die das Dresdner Trompeten Consort und Kreuzorganist Holger Gehring  anbieten. Neben Bläserstücken aus dem 17. und 18. Jahrhundert, beginnend mit dem Charpentier-Prelude, das als Eurovisionsfanfare populär wurde, und endend mit dem nicht minder populären Marsch von Edward Elgar, der auch als indirekte britische Nationalhymne gilt, gab es wie immer Händels Feuerwerksmusik als Höhepunkt. Der Organist setzte diesmal eigene Akzente mit Bachs Dorischer Toccata (ohne Fuge) und mit den äußerst virtuosen, kongenial gemeisterten Variationen über ein Weihnachtslied von Marcel Dupre. So eingestimmt, konnte das Publikum wohlgemut dem neuen Jahr 2017 entgegengehen.

03.01.2017Rezensionen