Pique Dame ganz in Schwarz

Rezensionen

Pique Dame ganz in Schwarz

Fotos: Nasser HashemiFotos: Nasser Hashemi

Eine unheilschwangere Atmosphäre liegt von Anfang an über der dunkel-düster gehaltenen Szenerie der Inszenierung von Helen  Malkowsky im Chemnitzer Opernhaus. Im Kontrast zur oft aufblühenden Musik Tschaikowskis ist sie von einem fast abstrakt entsachlichten Bühnenbild von Hermann Feuchter und den Schwarztönen der Kostümierung von Henrike Bromber getragen. Es ist das Schwarz der legendären Gräfin (einst in Paris und Moskau als „Venus“ gerühmte Schönheit), der man nachsagt, sie sei im Besitz des Geheimnisses der drei Karten „drei – sieben – Ass“, die im Casinospiel Gewinn versprächen. Dass deshalb nun die Kinder mit den Njanjas im Park oder auch in anderen Szenen das Volk schicksalhaftes Schwarz tragen müssen, bleibt Geheimnis des Inszenierungsteams

Für den Helden der Oper, den armen, deutschen Offizier Hermann (da die Aufführung in russisch mit deutschen Übertexten geboten wird, russisch: German) ist aber das dunkle Geheimnis der Gräfin ein Wink des Schicksals, seine desaströsen Lebensumstände in der Spielhölle mit reichem Gewinn aufzubessern. Diese Handlung erhält  in Chemnitz mitreißendes und erregendes Profil durch den aus St. Petersburg gebürtigen Darsteller Viktor Antipenko, der seine inneren Probleme mit kraftvollem Tenor herausschleudern kann, immer zum Publikum gewendet, gleich mit welchem Partner er in Beziehung steht. Überhaupt wird dieses „An-der-Rampe-Singen“ von den meisten Sängern voll genutzt. Soweit es Probleme des Einzelnen betrifft, ist das packend, weniger, wenn es an den Partner gerichtet ist, der dann nicht wahrgenommen wird. Aber immerhin profilierte sich Hermann so bestens. Lisa, die Nichte der geheimnisumwitterten Gräfin, konnte mit Mareike Schröter sich in klangvoller Gestaltung durchsetzen, wenn sie auch am Ende feststellen muss, dass die Zuwendung des Hermann nicht ihr, sondern der Gräfin galt.  So beendet sie selbst ihr Dasein, wurde von den heranrückenden Wänden des Palais erdrückt (im Original geht sie ins Wasser – jeder Petersburger kann die Stelle zeigen, wo das geschah). Hermann, von Leidenschaft getrieben, das Geheimnis der „drei Karten“ zu lüften, dringt bei der Gräfin ein, die gerade mit einer Melodie aus Gretrys „Richard-Löwenherz“-Oper in Erinnerungen an Paris schwelgt. Hermann reisst sie heraus aus dem Vergangenen. Erschrocken bleibt ihr das Herz stehen, ohne dem Eindringenden das Geheimnis verraten zu haben. Dieser sieht in gesteigerter Fantasie dann doch die drei Karten und spielt sie im Casino aus. Gewinnt – aber beim As verliert sich das Glück, und so wird er von jenem Gegner besiegt und im Duell erschossen, der mit Lisa verlobt war, dem Fürsten Jeletzky (Andreas Beinhauer). So erfüllt sich jenes dunkle Schicksal, dass die Schwärze der Inszenierung trägt. Der Chor erhellt mit wundervollen Sätzen die Düsternis, die auch durch die Kostümierung (braun und gelb) von Hermann und Lisa andere Farbtupfer erhält.

Ein spielfreudiges Ensemble prägt die Aufführung, aus dem Matthias Winter sich als Graf Tomsky hervorhebt. Die engagierte Gestaltung der Hauptpersonen von Hermann, Lisa und der schönen Altpartie der Gräfin mit der Finnin Tiina Penttinen wurde am Schluss auch nach der zweiten Aufführung gefeiert und natürlich das Orchester der Robert-Schumann-Philharmonie unter Michael Güttler, dem ständigen Gastdirigenten des Mariinski Theater zu Petersburg, der die Aufführung geschickt leitete.

 

07.12.2016Rezensionen