Das Ende und der Anfang

Rezensionen

Das Ende und der Anfang

Fotos: Tom SchulzeFotos: Tom Schulze

Mit großartigem Erfolg, standing Ovations und Bravos wurde die Leipziger Premiere von Wagners »Götterdämmerung« gefeiert. Hervorragende Sänger und ein zupackender Dirigent und eine klar erzählte, fast eine Kriminalhandlung aufdeckende Inszenierung kennzeichnete diese Premiere. Der Jubel dieser Aufführung ist gleichzeitig ein Vorruf für den ganzen Zyklus »Der Ring des Nibelungen«, der vom 5. bis 8. Mai im Opernhaus am Augustusplatz geboten wird. Wer hierfür keine Karten erringen konnte, der hat vom 28.06 bis 3. Juli noch einmal Gelegenheit, das grandiose Werk Wagners erleben zu können. Das ist schon eine großartige Sache, die in der Stadt vorgelegt wird, in der der Komponist 1813 geboren wurde.

Wellgunde (Sandra Maxheimer), Woglinde (Magdalena Hinterdobler), Siegfried (Thomas Mohr)Wellgunde (Sandra Maxheimer), Woglinde (Magdalena Hinterdobler), Siegfried (Thomas Mohr)

Die »Götterdämmerung« wurde von der aus London stammenden Tänzerin und Choreographin Rosamunde Gilmore inszeniert, die in den letzen Jahren auch als Opernregisseurin sich bekannt machte. Dass sie als professionelle Tänzerin choreographische Akzente setzte, in den »Ring« von Rheingold an schwarze Naturgeister immer wieder einfügte und ‚Nebenrollen‘ (Diener und Vasallen) tänzerisch elegant führte, gaben dem ganzen Zyklus einen einheitlichen Grundzug. Aber überhaupt die klare Handlungsführung, die logische Verknüpfung der Fäden ist bei ihr immer wieder faszinierend. So wird Schuld und Sühne gerade in der Götterdämmerung zu einer Kriminaltragödie. Hagen als Sachwalter von Alberichs Plänen führt die ehrenrührige Szenerie. Der Naivling Siegfried wird mit Tarnkappe und Vergessenstrunk vorgeführt, bis man ihm am Schluss beim Lagerfeuer seine Erinnerungen offenlegen lässt und vor der Hagenschen Jagdgesellschaft als scheinbar Schuldiger entlarvt wird. Und Hagen nutzt das, um Siegfried, den Träger des erstrebten Rings, zu vernichten. Damit wird das Grundthema des »Rings«, der Kampf um Reichtum und Macht, die in dem goldenen Reif steckt, einer Lösung zugeführt. Hagen erringt ihn nicht. Beim Versuch ihn dennoch fassen zu wollen, versinkt er im Fluss. Aber die Rheintöchter, sie gewinnen ihn zurück, das Gold gehört wieder die Tiefe.

Damit dieses Geschehen mit musikdramatischer Kraft wirken konnte, übernahm der Intendant und Opernchef Ulf Schirmer selbst das Dirigat, das er mit kräftigen Akzenten, zuweilen fast etwas brutal erfasste. Das war packend und mitreißend auch dadurch, dass er in Christiane Libor als Brünnhilde eine stimmlich und gestalterisch ideale Sängerin zur Verfügung hatte, die mit Intensität dem Geschehen wesentliche Akzente setzte und in Thomas Mohr einen Siegfried zur Seite hatte, der als echter Heldentenor nicht minder zu gestalten vermochte. Runi Brattaberg als Hagen war der Böse, der im negativen Sinne die Schicksalsfäden der Handlung fest in der Hand hält. Das war von eindringlicher Wirkung. Die Waltraude von Kathrin Göring war eine Entdeckung, wie überhaupt das gesamte Ensemble von die Größe des Werkes mit Überzeugungskraft verdeutlichte. Das ist eine Götterdämmerung und überhaupt ein »Ring«, der der Leipziger Inszenierung von Joachim Herz aus dem Jahre 1976 in nichts nachsteht.

Friedbert Streller

03.05.2016Rezensionen