Ostern in der Dresdner Philharmonie

Rezensionen

Ostern in der Dresdner Philharmonie

Die Osterzeit wird in der Karwoche musikalisch eingeleitet mit geistlichen Konzerten und vor allem auch mit Bachs Johannes- und Matthäus-Passion. Das Osterfest selbst hat da weniger Angebote. So kam das Festkonzert der Philharmonie gerade recht. Nach dem Engagement in der Matthäuspassion am Karfreitag gestaltete das Orchester an den beiden Osterfesttagen im Albertinum das Konzert »Bruckner zu Ostern«.

Foto: Marco BorggreveFoto: Marco Borggreve

Am Anfang des Abends stand allerdings ein besonderes Erlebnis mit dem russisch-israelischen Geiger Vadim Gluzman. Er stellte Sergej Prokofjews 2. Violinkonzert in g-Moll vor. Es entstand in der Zeit vor der Ballettmusik zu »Romeo und Julia« von 1935/36 und fand 1935 in Madrid seine Uraufführung. Der russische  Komponist, der ab 1918 in den USA und in Westeuropa lebte, hatte sich gerade entschlossen, in seine inzwischen sowjetrussische Heimat zurückzukehren. Das mag auch ein Grund gewesen sein, am Beginn des Konzerts ein russisches Thema á la Tschaikowski in den Mittelpunkt zu stellen. Im langsamen Satz lebten Kantilenen in der Art des Romeo-und-Julia-Balletts auf, und im Finale bestimmten etwas derbere, groteske Klänge das Geschehen. Vadim Gluzman ging kongenial den musikalisch gestalteten Empfindungen nach. Das war bewegend und in der derben Groteskerie am Ende packend erfasst.

War der Dirigent hier in der Begleitung Akzente setzend und der Struktur des Werkes unmittelbar nachgehend gebunden, so konnte er in Bruckners »Vierter« in Es-Dur von 1881 den Klang des Orchesters nun voll ausgestalten. Die innere Dramatik wurde bei aller klaren Formgestaltung, wie man sie bei Brucknerdirigenten nur selten erleben kann, unmittelbar nachvollziehbar. Zähfließende Melodik wurde hier vital durchlebt. Hymnische Sätze der Bläser führten zu feierlichen, fast religiös liturgischen Höhepunkten. Und die Großflächigkeit des einstündigen Werkes war erhebend zu erleben. Kämpferisch drängende Motive des Tutti und abwartendes Fragen in den Streichern standen in ständigem Kontrast so dass die Musik an elementarer Lebendigkeit gewann. Bei aller Klangfreude der Tuttisätze gab Michael Sanderling auch den Instrumentalsoli Raum, so dass das Orchester seine Ausdrucksfähigkeit und Klanggestaltung auf beste Weise wirksam vorstellen konnte. Begeisterter Beifall dankte für dieses besondere Ostergeschenk.

Friedbert Streller

29.03.2016Rezensionen