Musik in Bildern

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Musik in Bildern

Image (1)Der perfekte Moment sei ihm wichtig, sagt Matthias Creutziger. Das klingt wie ein Angler, der schon lange auf Lauer liegt. Der perfekte Moment, dass kann auch ein Zufallsfang sein. Eine Zufallsaufnahme in diesem Fall. Ein Geduldsspiel, das den Auslöser und immer auch ein Quentchen Glück entscheidend sein lässt über die Qualität eines einzelnen Fotos.

Matthias Creutziger ist – nach einigen Jahren bei der Dresdner Philharmonie und dem Zentrum für zeitgenössische Musik – der Hausfotograf der Semperoper. Er hält die Operninszenierungen ebenso fest wie herausragende Konzerte und Gastspiele. In seinen Musikerporträts sowie in Aufnahmen von Dirigenten scheint der Klang oft geradezu, als würde er gleich aus dem Bild herausspringen. Es gibt aber auch fotografische Stilleben von ihm, die scheinbar ganze Geschichten enthalten. Stumme Bilder, dennoch beredt. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit, nein: seiner Berufung, gilt dem Jazz. Die unterschiedlichste Stilistik – von der freien Improvisation bis hin zum ohrwürmelnden Standard – ist in den Fotografien von Matthias Creutziger so kundig wie liebevoll dargestellt. Die Eigenart seiner Bildsprache ist nicht selten geradezu malerisch geschult, was kein Wunder ist bei der Nähe des Fotografen zur bildenden Kunst und zu namhaften Meistern der Zunft.

Seit gestern ist eine spannungsvolle Auswahl jüngerer Arbeiten Creutzigers im Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden Hosterwitz ausgestellt, die dort bis Mitte September zu besichtigen ist. Es handelt sich um Impressionen rund um Webers „Freischütz“, der am 1. Mai an der Semperoper herauskam. Matthias Creutziger hat Regisseur Axel Köhler bei der Probenarbeit beobachtet, gibt mit seinen Aufnahmen Einblicke hinter den Kulissen, zeigt das Resultat dieser Neuinszenierung und natürlich auch Eindrücke von der Premiere.

Man kann bei guter Musik ja manchmal die Augen schließen, um sie tiefer zu genießen. Wer die Musik in den Fotoarbeiten von Matthier Creutziger genießen will, sollte sie ganz weit aufmachen.

Bis nächsten Freitag –

Michael Ernst

12.06.2015Kolumnen