„Jetzt bin ich Maria zwei“

Interviews

„Jetzt bin ich Maria zwei“

Sein jüngstes Interview hat Martin Morgenstern mit María Dueñas geführt. Im doppelten Sinn: die Geigerin wurde im Dezember 2002 geboren. Heute studiert sie an der Hochschule für Musik in Dresden bei Prof. Igor Malinovsky. Bühne frei!

Fotos: privatFotos: privat

María, du bist offiziell die jüngste Studentin der Musikhochschule. Wie sieht dein Tagesablauf aus?
Also, ich stehe früh auf, dann gehe ich in die Hochschule und übe. Abends muss ich viele Hausaufgaben machen, aber ich über auch manchmal noch etwas. Man muss viel üben.

Ein ehemals eher fauler Geigenschüler schaudert bei dieser Beschreibung.
Ach, ich habe eigentlich fast immer Lust zum Üben. Vielleicht sind es die Stücke, die mich mehr inspirieren als Tonleitern und Etüden. Ich mag die, und mein Professor macht auch nicht das Standardprogramm, sondern sucht mit mir gemeinsam die Werke aus.

Du bist jetzt zwölf – hast du privat auch Unterricht in Geographie, Mathematik und so weiter?
Ich mache das per Fernunterricht. Es ist super, aber man muss alles allein schaffen. Ich habe alle Fächer der normalen Schule, besuche die siebte Klasse. Mit dem Lehrer reden wir über Skype, die Prüfungen finden in Berlin statt. Vielleicht funktioniert das nicht für alle Kinder, aber bei mir klappts. Meine Mutter ist Lehrerin, die hilft mir auch.

Warum hast du dich für Dresden als Studienstandort entschieden?
Dresden, das bedeutet für mich Igor Malinovsky. Wenn er in Tokio unterrichten würde, wären wir in Tokio. Ich habe ihn vor zwei Jahren bei einem Meisterkurs in Spanien kennengelernt. Davor war ich Maria eins. Jetzt bin ich Maria zwei. Ich wollte unbedingt bei ihm Unterricht haben. Jetzt lebe ich mit meinen Eltern und meinen Schwestern in Dresden. Ich hatte so klare Pläne, da konnten sie einfach nichts machen.

An der Hochschule triffst du viele ältere Studenten, die offiziell alle nur ein Ziel haben: eine Solokarriere auf ihrem Instrument hinzulegen. Die wenigsten werden das schaffen. Glaubst du, du hast das Zeug dazu?
Wir alle sind Musiker. Es ist wichtig, die anderen kennenzulernen. Ich weiß, ich will unbedingt Geigerin sein. Ich hoffe, ich schaffe es, Solistin zu werden. Mit Professor Malinovsky arbeite ich hart daran. Wir denken zusammen nach, welche Stücke gut für mich sind, welche Gefühle ein Stück hat, ob es zu meiner Personalität passt. Er ist manchmal wie ein Psychologe.

Studenten müssen auch Musiktheorie verstehen, geschichtliche Daten und Partituren lesen lernen… wie liegt dir das?
Ich bin momentan eine Art Gasthörerin. Jetzt ist es erst mal wichtig für mich, Spaß zu haben mit der Geige. In Granada, wo ich geboren wurde, gibt es sehr strengen Unterricht. Ich denke, es ist für mich besser, mich erst mal auf das Spielen zu konzentrieren und später das andere zu lernen. Klavier spiele ich auch gern, und improvisiere etwas. Aber ich lese auch gern mal was von Erich Kästner oder gehe schwimmen. Und streite mich mit meinen Schwestern. Eigentlich bin ich glaube ich ziemlich normal.

Musikstudenten sieht man selten als Publikum im Saal, oder?
Dresden ist doch eine Stadt der Musik! Man muss unbedingt in Konzerte gehen. In der Semperoper habe ich so ein Mini-Anrecht für Studenten, vier Abende Ballett und Oper und so weiter für 20 Euro. Also, unbedingt muss man das machen!

Sa, 09. Mai 2015 – erstKlassik!
Maria Duenas, Violine
Dresdner Residenz Orchetser
Werke von Paganini und Mozart
Zwinger, Marmorsaal
Karten: 42,- EUR

07.05.2015Interviews