Verträge, Verträge, Verträge

Kolumnen

Verträge, Verträge, Verträge

Teufel.kl

 

Lang ist das her, heute werden Verträge nicht mehr mit Königshäusern, sondern ganz und gar demokratisch geschlossen. Also nicht mehr mit Hofschranzen? Das ist eine andere Frage. Auf höfische Leidenschaften – und zumeist mit erzwungenen Abgaben des arbeitenden Volkes bezahlt – geht bekanntlich die reiche Museumslandschaft nicht nur in Dresden zurück. Dass die Staatlichen Kunstsammlungen nun ein Meisterstück ihres Bestands, das 1631 entstandene „Reich der Flora“ von Nicolas Poussin, bis Ende Juli ans Moskauer Puschkin-Museum verleihen, fußt gewiss auch auf einem Vertragswerk. Ist vor allem aber ein deutliches Zeichen zurück und nach vorn in eine Welt des Miteinander, in der es nicht um dümmliches Putin-Verstehen und vertragswidrige Nato-Osterweiterung geht. Zeichen sind dazu da, dass sie verstanden werden. Hoffentlich von den Richtigen!

Einen Vertrag mit dem Teufel haben schließlich schon viele Leute geschlossen. Ob der Höllenheld dazu eine eigene Rechtsabteilung aufgebaut hat? Doktor Faustus und der Meister aus Michail Bulgakows teuflisch gutem Roman, der Schönling Dorian Gray, Timm Thaler und der schattenlose Peter Schlemihl – sie haben sich alle irgendwie in irgendetwas hineinquasseln lassen. Auch die Musik kennt solche Beispiele, sei es in Gounods Oper „Faust“, sei es in Busonis „Doktor Faust“, in Berlioz‘ „La damnation de Faust“ oder im Ballett „Coppélia“ von Léo Delibes. Und da wir schon einmal bei E.T.A. Hoffmann sind, kommen wir natürlich um „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach nicht herum. Auch nicht um „Cardillac“, wozu Paul Hindemith „Das Fräulein von Scuderie“ adaptierte. Und nicht zuletzt sind wir bei Jaromír Weinberger und „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“. In Dresden wurde das Stück von Axel Köhler auf die Bühne gebracht, der hält es nun mit Webers „Freischütz“ und setzt mit dessen Samiel einen weiteren Schwarzen Geist in Szene.

Die vermeintliche Volksoper dreht sich also ebenfalls um Teufelswerk. Sie war in Kriegszeiten die letzte Aufführung an der Semperoper vor deren Schließung und der anschließenden Zerstörung; mit ihr wurde 1985 der Wiederaufbau eingeweiht. Nun steuert sie bereits auf die 1.500. Dresdner Vorstellung zu! Da sollte es doch mit dem Teufel zugehen, wenn mit dem Premierenbillett nicht auch eine weitere Visitenkarte in den Ring geworfen wird, um endlich mal wieder den Intendantensessel der Semperoper zu besetzen.

Was zu dieser keineswegs satanischen Spekulation treibt? Schlicht und einfach die Zeitnot vielleicht, denn Sachsens Kunstministerium dürfte bald wieder kopflos sein und sollte bis dahin Nägel mit Köpfen gemacht haben. Da es eine Findungskommission nun nicht mehr gibt, ist Eile geboten.

Dass in kürzester Zeit ganze Arbeit geleistet werden kann, hat ja bereits die Nachfolge von Schauspiel-Intendant Wilfried Schulz bewiesen. Bevor der nach Düsseldorf wechselt, hat Joachim Klement aus Braunschweig seinen Vertrag schon in der Tasche. Und Jan Vogler, seit 2009 Intendant der Dresdner Musikfestspiele, erhielt die Vertragsverlängerung gar in luftiger Höhe, um diesem Festival nun bis zum Jahr 2021 erhalten zu bleiben.

Vertragsstatus hat freilich auch der in dieser Woche verabschiedete Doppelhaushalt des sogenannten Freistaats Sachsen. Darin haben sich die Abgeordneten – bei nur mauem Protest aus den eigenen Reihen und trotz lautstarker Argumente von Opposition und Gewerkschaften – ein Rundum-Wohlfühlpaket geschneidert, das ihnen nach 15 Jahren Parlamentszugehörigkeit die kommode Frühverrentung mit nur 63 Lenzen ermöglicht. Dieselben Heuchler debattieren beinahe zeitgleich über eine Anhebung des Renteneinstiegs fürs Wahlvolk auf 67 Jahre! Das muss dann aber 45 Jahre dafür was geleistet haben. Und ganz nebenbei genehmigen sie sich auch noch eine monatliche Erhöhung irgendwelcher Aufwandspauschalen um 1.000 Euro. Wenn dann mal wieder irgendwo gemeldet wird, das Land habe dies und das finanziert … – denken wir einfach daran, dass es mit den im politischen Selbstbedienungsladen erhobenen Abgaben bezahlt wurde. Von uns allen. Ohne Mitspracherecht!

Um nochmal auf Richard Wagner zurückzukommen, der sich ja bekanntlich eine kurze Zeit lang in der Rolle als Revoluzzer gefiel: Weder er noch Michail Bakunin hatte die Frage klären können, was eigentlich anarchischer ist – wenn sich eine Volksgruppe selbstherrlich an den Abgaben der gesamten Bevölkerung bedient oder wenn die Bevölkerung versucht, sich dieser wachsenden Abgabenlast zu entziehen?

Bis nächsten Freitag –
Michael Ernst

01.05.2015Kolumnen