Debussy im Netz

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Debussy im Netz

Foto: Matthias CreutzigerFoto: Matthias Creutziger

Mirjana Rajic hat die sechs „Images“ von Claude Debussy eingespielt – und im Internet veröffentlicht. Wer sich in die neuen Medienformen einklickt, findet nicht nur eine Foto der serbischen Pianistin, die neben umfangreicher Konzerttätigkeit seit 2008 an der Dresdner Musikhochschule lehrt, sondern auch ihre brillante Einspielung eines der Schlüsselwerke des französischen Komponisten Claude Debussy (1862-1918).

Die „Images pour piano“ – Heft 1 entstand 1905, Heft 2 1907 – sind, nach Auskunft des Komponisten „nach neuen Entwürfen und den jüngsten Entdeckungen der harmonischen Chemie entsprechend“ komponiert worden. Das bedeutet nichts weniger als dass Debussy auf der Suche nach neuen Klängen in harmonische Bereiche vorstößt, die erst Jahre später, z.B. bei Stravinskys „Sacre du Printemps“ (1913) zum Tragen kommen.

Was landläufig unter „Impressionismus“, als verschwommenes Klanggewusel mit viel Pedal wahrgenommen und verachtet wird, ist bei Debussy ein höchst ausgefeilter musikalischer Organismus, der alle Parameter wie stupende Technik, sensible Pedaltechnik, Rubatospiel, Tempowechsel auf kleinstem Raum, minutiöse Artikulationsbezeichnungen, differenzierte Lautstärke einzelner Töne innerhalb eines Akkordes!, Ganztonleitern, Dissonanzballungen, pentatonische Tonfolgen und vieles andere mehr umfasst. Das alles muss der Interpret bewältigen, und es gibt keine Kompromisse. Denn jede Unschärfe wird bestraft: da leidet die Struktur, und man verliert den Zusammenhang, der den komplizierten Stücken ihre Unverwechselbarkeit verleiht. All dem stellt sich Mirjana Rajic.

Ob es die „Reflets dans l’eau“, also die Lichtreflexe auf dem Wasser sind (hier ist der Bezug zum malerischen Impressionismus von Monet und anderen unüberhörbar), ob es die herbstlichen Glockenklänge sind, die durch das Laub tönen, oder die „Poissons d’or“, die Goldfische auf einem japanischen Lackschirm im Arbeitszimmer des Komponisten – alle diese musikalischen „Bilder“ sind von Mirjana Rajic in der jeweiligen kompositorischen Faktur klangvoll umgesetzt.  Charakteristisch für Debussys komplexe musikalische Gestalten sind die musikalischen Schichten, die z.T. in drei Systemen notiert, von der Pianistin einen raschen Wechsel über die Klaviertastatur erfordern und das Instrument etwa wie ein Orchester klingen lassen. (Debussy hat das 3. Heft der „Images“ dann für Orchester konzipiert.)

Es ist erfreulich, dass Mirjana Rajic diese höchst anspruchsvollen Klavierwerke einem Medium anvertraut, das klassische Musik nicht gerade zu Hauf anbietet. Dass sie den Sprung in dieses Medium wagt, beweist ihren Sinn für zeitgemäße Kommunikation in der Hoffnung, dass dadurch Nutzer gewonnen werden können, die vielleicht selbst nicht daran dachten, einen solchen Fund im Internet zu machen.

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21.04.2015Neue Aufnahmen