„Freischütz“ sucht die Rubens-Frau

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„Freischütz“ sucht die Rubens-Frau

photo1Da haben wir soeben schon frühzeitig wie nie den nächsten Kandidaten für den Georgs-Orden des SemperOpernballs ausgemacht, und nun ist eine ganz andere Personalie an der Semperoper vakant. Die ganze Walzerwelt hätte sich zurücklehnen und auf den nächsten Februar warten können, um Zaungast zu sein, wenn Silvio Berlusconi das edle Metall für seine römische Sozialarbeit verliehen bekommt. Schließlich ist der Cavaliere, der mindestens ebensoviele Gesetze gemacht wie gebrochen hat, doch nicht umsonst zu gemeinnütziger Tätigkeit in einem Seniorenheim mit Alzheimer- und Demenzpatienten verdonnert gewesen. Da hat er sich den Karnevalsorden redlich verdient. Und die demokratischen Fußstapfen eines KGB-Putin füllt der Ruby-Versteher doch allemal aus.

Für die Vakanz an der Sächsischen Staatsoper käme der kurzwüchsige Medienmogul allerdings nicht in Frage. Definitiv nicht. Denn für die Freunde der italienischen und nun vor allem für die der romantischen Oper wird eine Dame (!) gesucht, Mindestgröße ein Meter und fünfundachtzig. Was Regisseur Axel Köhler mit einer solchen Grandezza als stummer Samiel vor hat, ist bislang eine ungeklärte Vertrauenssache.

Spielfreudige Naturen mit den erforderlichen Ausmaßen in Höhe und Breite – die Oper hat genreübergreifend nach Rubens-Formaten gefragt – sollten sich nun also in Selbstbewusstsein üben und spätestens am 21. Februar startklar zum Vorstellungstermin sein. Die sprichwörtliche Couch ist nicht zu befürchten. Und ebensowenig zu erhoffen. „Bühnenerfahrung ist von Vorteil, jedoch keine Voraussetzung“, heißt es im Ausschreibungstext. „Entscheidend sind Ausstrahlung, musikalisches Gespür und zeitliche Flexibilität ab dem Probenbeginn“.

Die Premiere ist für den 1. Mai angesagt. Wir freuen uns jetzt schon auf den Ausgang der Ausschreibung. „Samiel! Erschein!“ Bis nächsten Freitag, sehr herzlich

Michael Ernst

07.02.2015Kolumnen