Drei Preise für Dresden

Kolumnen

Drei Preise für Dresden

jazzloeweDas Freibier ist inzwischen ausgetrunken. Gleich drei Dresdner Spielstätten hatten diesen Herbst mal allen Grund, ihrem Publikum eins auszugeben. Als in Hamburg der Spielstättenprogrammpreis verliehen worden ist – bundesweit ging er an 31 Clubs und wurde für 27 Veranstaltungsreihen vergeben – waren gleich elf Macher aus Mitteldeutschland mit von der Partie. Und unter denen drei Dresdner Einrichtungen: Wie schon im Vorjahr durfte sich auch 2014 der Jazzclub Tonne über eine Würdigung seines Profils freuen. Und einmal mehr wurde die Tonne in der ersten Kategorie prämiert. Neu ist die Vergabe des mit einem schäumenden Geldsegen verbundenen Preises an die GrooveStation (ebenfalls erste Kategorie) und an den beatpol-dresden e.V. (zweite von drei Kategorien).
Die Auszeichnung für herausragende Livemusikprogramme wurde von Monika Grütters, der Staatsministerin Kultur und Medien, vorgenommen. Die begründete die Vergabe so: „Der Preis soll die Arbeit und das Engagement dieser kulturellen ‚Ermöglicher‘ stärker in das Bewusstsein rücken.“
Ein hoher Anspruch, denn normalerweise machen sich Konzert- und Partygäste nur wenig Gedanken über all die mit einem gelungenen Abend verbundene Arbeit. Müssen sie auch nicht, schließlich zahlen sie Eintritt und wollen, ja sollen das Ereignis genießen. Aber solche „Ermöglicher“ wie Jazzclub Tonne, GrooveStation und beatpol ins Bewusstsein der Stadt zu rücken, um deutlich zu machen, was der Kommune dank des mitunter grenzenlosen Engagements einiger weniger von der Musik besessener Leute geschenkt wird, das wäre schon wichtig. Denn oft geht die Programmgestaltung über das übliche Pensum an Arbeit sehr weit hinaus. Wenn das schon nicht vor Ort gebührend gewürdigt wird, ist eine Ehrung auf Bundesebene umso bemerkenswerter.
Der größte Fehler wäre nun freilich, die mit dem Spielstättenprogrammpreis verbundenen Beträge als Entlastung des Stadtsäckels ansehen zu wollen. Dieser Preis ist ein Extra, ein Bonus für herausragende Leistungen. Das sollte die Stadt respektieren und achten. Vor allem fließt das Geld sowieso in die weitere Programmgestaltung der Spielstätten und kommt somit der musikbegeisterten Allgemeinheit zugute. Alle drei Clubs wissen ganz sicher selbst am besten, wo es in ihren Häusern überall eng ist und brennt. Dass da zum „Löschen“ der berechtigten Freude auch mal eine Runde Freibier drin ist, sollte selbstverständlich sein.
Ein Prosit darauf und herzliche Gratulation!

Bis nächsten Freitag –
Michael Ernst

19.10.2014Kolumnen