Fast vergessene Schätze

Allgemein

Fast vergessene Schätze

offbeatDiese Heftreihe war in der DDR etwas Besonderes. Von den üblichen Fanzines oder Mitteilungsblättern unterschied sich die »offbeat«-Serie – nomen est omen – durch ihren Anspruch, vielfältige Aspekte der Rock- und Popmusik populärwissenschaftlich-kritisch zu beleuchten, anstatt Starkult zu pflegen. In der herausgebenden Interessengemeinschaft hatten sich unter dem Dach des Kulturbundes alle damals wichtigen nebenberuflichen Musikjournalisten Dresdens zusammengefunden. Darüber hinaus waren in der IG weitere Musikfreunde Mitglied. In knapp drei Jahren ihrer Existenz veranstaltete die IG Vorträge, Diskussionsrunden, eine kleine Tagung sowie Konzerte. Die Themen beschäftigten sich beispielsweise mit dem Verhältnis von Rock und Avantgarde, mit visuellen Aspekten der Populärmusik, mit Rockmusikpublizistik, mit der Rolle alternativer Schallplatten-Labels für die Popmusikkultur, aber auch mit der Entwicklung der frühen Beat- bzw. Rockmusik in der DDR (»Rock im Zwielicht« am 19. Februar 1988) und der damaligen Rockpublizistik. Ein thematisches Wochenende am 19. und 20. Mai 1989 zum Thema »Avanti! Musik für den Ausweg!« verband Wissenschaftliches zur Avantgarde, Mal-Aktion, Experimentalfilm, freie Improvisation und Diskussionsrunden.

 
Das »offbeat«-Heft 4 (»Außenseiter«) entstand im Kontext dieser Wochenend-Aktion und enthält Beiträge wie »Avanti! Popmusik und Avantgarde am Anfang der achtziger Jahre«, »Musik – Maschinen – Manifeste«, »Underground Los Angeles«, ein Text über die kalifornischen Motor Totemist Guild, Interviews mit der dadaistischen Multimedia-»Band« AG Geige und mit dem Redakteur der damaligen Hörfunk-Sendung »PaRockTikum«, Lutz Schramm, sowie eine neue Sichtweise auf die Kultur der früheren Beatkeller in Großbritannien. Die vorhergegangenen Hefte widmeten sich den Themen »Genesis – die frühen Jahre: eine Interpretation unter besonderer Berücksichtigung der Texte« (»offbeat 3« – 1988) sowie »Zeitgenössische Folk- und Popmusik in Großbritannien« und dem Bericht über eine Diskussionsveranstaltung zum Rockjournalismus in DDR-Tages- und Wochenzeitungen (beides in »offbeat 2« – 1987). Für die einheitlichen (den Umständen entsprechend natürlich schwarz-weißen) »offbeat«-Titel haben die Herausgeber eine einfache Werbeposter-Grafik des Dresdner Künstlers Jürgen Haufe verwendet, die der extra für ein Rahmenplakat zur Veranstaltungswerbung für die IG Populäre Musik gefertigt hatte. Nur die Titelgestaltung des allerersten Heftes (»Butlers Boogie. Versuch zu Entwicklungsbedingungen früher DDR-Rockmusik bis zum Ende der ersten Hälfte der sechziger Jahre unter besonderer Berücksichtigung der damaligen Publizistik« (1987 – erst im Nachhinein als »offbeat 1« rubriziert) war völlig schmucklos – eben unauffällig – gestaltet und wirkte äußerlich wie ein Mathematik-Lehrbrief oder eine universitätsinterne Arbeitsschutz-Vorschrift. Das jedoch war gewollt, und nur deswegen konnte die Interessengemeinschaft die Druckgenehmigung erhalten. Natürlich sind alle Hefte längst vergriffen. Wer sucht, findet vielleicht das eine oder andere Heft bei Versteigerungen.

Siehe dazu auch die aktuelle Ausstellung mit Werken von Jürgen Haufe

12.10.2014Allgemein