„Das ist wie nach Hause zu kommen“

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„Das ist wie nach Hause zu kommen“

Am 10. Oktober kommt ein bemerkenswertes Duo nach Dresden. »Byebye« – Oliver Haas und Tim Ludwig – stehen für selbstgeschriebenen Akustikpop mit Pfiff und deutschen Texten. Die beiden wollen ihre Herbsttournee im Bärenzwinger beginnen und den Dresdnern ihr aktuelles Album »Du weißt warum« vorstellen. 
Ein Gespräch mit Oliver Haas.


„Byebye“ changiert zwischen Pop und einem interessanten deutschsprachig orientierten Songwriter-Sound. Wie nennt ihr diesen Stil?

Wir machen Lieder mit zwei Gitarren und zweistimmigem Gesang. Eigentlich machen wir Popmusik mit deutschen Texten. Oft beschreiben wir unsere Musik auch mit Akustikpop.

Wie habt ihr euch getroffen und musikalisch zueinander gefunden?

Wir sind auf dieselbe Schule gegangen, aus dem Schulchor hat sich ein gemeinsamer Freundeskreis ergeben, mit dem wir immer mal zusammen in den Urlaub gefahren sind. Und auf genau so einem Urlaub hats irgendwann Klick gemacht – wir haben den ersten Song geschrieben und aus einer Sommerlaune direkt mal im Studio aufgenommen und ein Video dazu gedreht. Dabei haben wir gemerkt: Das passt alles verdammt gut. Wir haben unsere Songs zusammen in einen Topf geworfen und seitdem stehen wir gemeinsam auf der Bühne.

Wie schreibt ihr, wie geht ihr voran, wo kommen eure Ideen her?


Mittlerweile sind unsere Textbücher eine Art Tagebuch geworden. Man kann glaub ich noch nicht sagen, dass wir die Art, wie wir Lieder schreiben, schon gefunden haben. Wir suchen da auch ständig nach neuen Wegen. Meist suchen wir kein Thema, sondern es findet sich, aus einem momentanen Gefühl, aus einem Gedanken, der uns auch privat beschäftigt. Unsere Texte und die Musik erzählen natürlich viel von uns selbst. Aber ich denke, dass sind allesamt Dinge, die auch andere beschäftigen und das ist immer schön zu sehen, wenn sich ein Zuhörer darin wiederfindet.

Was macht für euch einen guten Song aus?

Ein guter Song packt den Zuhörer ganz unabhängig von dem musikalischen Genre. Wenn ein Musiker es schafft, sein Gegenüber zu fesseln und dabei authentisch, echt und greifbar eine persönliche Empfindung deutlich zu machen, dann ist der Song auch gut. Unabhängig stehen wir beide sehr auf groove, auf einen Rhythmus, der einem beim Zuhören ein entspanntes Kopfnicken verpasst.

Wo spielt ihr am liebsten? In Wohnzimmern?

Wir spielen ja in vielen Städten Wohnzimmerkonzerte, um anzufangen. Tatsächlich sind die kleinen, intimen Konzerte etwas sehr besonderes, man spürt die Reaktionen des Publikums viel näher und intensiver. Das geht auf der großen Bühne leider etwas verloren. Allerdings ist es auch ein unbeschreiblich gutes Gefühl, vor 500 Leuten zu spielen, die allesamt mitwippen und deine Texte im Chor mitsingen.

Was verbindet euch mit Dresden?

Meine Mutter kommt aus Dresden, meine Großeltern wohnen in Freital, ich bin als Kind oft in der Stadt gewesen, ich hab viele Freunde hier und genieße es von Zeit zu Zeit, wie ähnlich und wie anders Dresden im Vergleich zu Leipzig doch ist. Außerdem mögen wir das Dresdner Publikum. Ein Stückweit fühlt es sich an, nach Hause zu kommen, wenn wir hier spielen. Wir haben schließlich hier schon oft gespielt, haben im Grunde auch hier angefangen. Dresden war da eine der ersten Stationen, als wir unsere Fühler in andere Städte ausstreckten.


Was habt ihr studiert? Hat euch euer Studium Spass gemacht?

Wir haben beide Lehramt in Leipzig studiert. Klar! Die Zeit des Studiums ist super gewesen. Allerdings haben wir leider erst gegen Ende gemerkt, dass das Unterrichten an der Schule vielleicht gar nicht so das ist, was wir wollen. Oder wenigstens, dass wir noch anderen Talenten und Chancen hinterherjagen wollen, bevor wir uns dem ewigen Alltag verpflichten. Tim hat Musik und Geschichte für Gymnasium, ich Geschichte und Kunst studiert. Ein sehr schönes Studium an einer coolen Uni. Wir machen beide das Referendariat voerst noch nicht. Tim ist ja schon seit ein paar Jahren fertig. Ich bin im letzten Semester und schreibe neben Tourvorbereitung, Songs schreiben und 200 Konzerten im Jahr gerade auch meine Abschlussarbeit. Ich glaube, man sollte das Studentsein genießen und nicht vergessen, immer mal zu hinterfragen, ob es das tatsächlich ist, was man will. Klar, das ist vermutlich nicht das, was Eltern sagen würden. Zumal keine der Generationen vor uns sich so viel Zeit gelassen haben bei der Berufswahl und der Studienzeit wie unsere in der heutigen Zeit. Dennoch. Heute ticken die Uhren anders – warum also Chancen nicht nutzen? Und warum nicht im Studium noch mal umorientieren?

10. Oktober 2014 – 20 Uhr – BYEBYE im Studentenclub Bärenzwinger e.V. (Brühlscher Garten 1/01067 Dresden)
Eintritt: 5 EUR

01.10.2014Allgemein, Interviews