Musiker bei der Handarbeit erleben

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Musiker bei der Handarbeit erleben

Geboren im Herzen der Dresdner Studentenschaft, doch schon seit einem Jahrzehnt den Unischuhen entwachsen: am 24. und 25. Mai 2014 findet das 31. Bluesfestival Dresden statt.

Ins Leben gerufen wurde das Festival 1984 vom damaligen Klub Neue Mensa (KNM), der noch heute seinen Sitz in der im Januar 1981 eröffneten Neuen Mensa an der Bergstraße hat. Dass Blues damals ganz gut laufen würde, konnten die Leute des KNM vermuten, denn bereits ein Jahr zuvor, im März 1983, startete sehr erfolgreich das als Gemeinschaftsprojekt veranstaltete Blueswochenende der IG Jazz (des späteren Jazzclubs Tonne) und des Volkskunstpodiums, das an beiden Veranstaltungsorten über die Bühnen lief. Während das Blueswochenende der »Tonne« jedoch mit der im Herbst 2000 erfolgten Insolvenz des ersten »Tonne«-Vereins von der Szene verschwand – das im Januar 2000 stattgefundene 18. Blueswochenende war das letzte –, fand das Dresdner Bluesfestival des KNM kontinuierlich weiterhin Jahr für Jahr statt. Mitte 2000 wurde der Verein Dresden Blues Community gegründet, der für die Programmgestaltung des Festivals verantwortlich war; ab 2001 waren dieser Verein und der KNM gemeinsam Festivalveranstalter. Dann wollte der Klub Neue Mensa aussteigen – er »wollte das Festival nicht mehr und musikalisch etwas Neues ausprobieren«, wie sich Dörte Grabbert von der Dresden Blues Community erinnert. Also hätten sie sich »auf die Suche nach einem neuen Veranstaltungsort in Dresden gemacht.« Seit 2004 ist das Dresdner Bluesfestival ein Projekt des Musikklubs »Tante Ju« im Dresdner Industriegelände.

»Die Studenten von heute hören ganz andere Musik, kaum jedoch mehr Blues«, stellt Gunther Rehlig, der Chef der Tante Ju, fest. Der Veranstalter versucht auch mit diesem Jahrgang, den veränderten Bedingungen innerhalb der Populärmusikkultur Rechnung zu tragen und hat ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Gunther Rehlig: »Die Bluesmusik hat sich insgesamt schon verändert. Zum einen ist es so, dass es von den Größen des klassischen Blues nicht mehr so viele gibt. Es werden immer weniger und es wächst zumindest in dieser Richtung auch kaum etwas nach. Und in den letzten 20 Jahren hat sich der Blues auch immer mehr in Richtung Rockmusik verlagert bzw. wurde damit zunehmend vermischt.« Gunther Rehlig weiter: »Und wir können wohl behaupten, dass auf unserem Festival noch immer vor allem Bluesmusik angeboten wird. Anders als auf vielen anderen Bluesfestivals, wo inzwischen schon ziemlich viel Musik läuft, die mit Blues kaum noch etwas zu tun hat.«

Das 2014-er Programm bietet am Samstag Tony Spinner & Band, die Robert Tognoni Band und die Todd Wolfe Band. Am Sonntag findet ein musikalischer Frühschoppen statt mit "Fool's Town". Das ist nicht die hundertachtzigste beste, angesagteste, lauteste oder atemberaubendste Band. Und nein, diese Cover-Band spielt nicht die üblichen Rock-Hits. Aber wer erdig gespielten Rock mit Ausflügen in Funk, Blues und Rock'n Roll hören will, ist beim Frühschoppen richtig. Dazwischen gibt wie jedes Jahr Blues-Musik aus der Konserve von DJ Bunzel. Im Club gibt es wie jedes Jahr die beliebten Workshops für große und kleine Kinder und natürlich wieder eine offene Session.

Das Internet ermöglicht heute jedem nahezu überall auf der Welt, fast jede Form von Musik zu konsumieren. Zum Bluesfestival jedoch wird beste Live-Stimmung verbreitet und es werden authentische Musiker »bei der Handarbeit« präsentiert – also das pralle, schwitzende, ganz reale Musikleben, nicht nur jenes auf dem Flachbildschirm. Wenn das keine interessante Chance ist?

20.05.2014Features