Moderne Musik mit viel Herzblut

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Moderne Musik mit viel Herzblut

Foto: Marius Leicht

Seine berühmteste Musik entstand in nicht mal einer Viertelstunde. Ein Altirischer Segenswunsch schmückte einst die Ferienwohnung an der Ostsee – als Dank für den Urlaub hat Günter Schwarze diesen Text vor vielen Jahren vertont. Heute gehört der „Irische Reisesegen“ zum Repertoire zahlreicher Chöre in aller Welt.

Wer die eingängige Melodiefolge hört, versteht sofort, was der Komponist mit seinem künstlerischen Credo meint: Der Geist der musikalischen Avantgarde muss mit Herzblut geschrieben sein! In seinen mehr als 400 Kanons hat er es so gehalten, auch in den vielfältigen Orchesterstücken, Konzerten und Kammermusiken. Am unmittelbarsten verbunden aber scheinen künstlerisches Herz und kreative Herausforderung im umfangreichen Liedgut von Günter Schwarze, der obendrein mit Opern (z.B. „Tobias Hawk“, nach Jurij Brezans Roman „Das Bild des Vaters“) sowie dem erfolgreichen Märchenmusical „Die Prinzessin auf der Erbse“ hervorgetreten ist.

Ein besonderes Anliegen des 1949 in Bautzen geborenen Komponisten, der beizeiten Klavier-, Orgel- sowie Gesangsunterricht nahm und eine Ausbildung als Orgelbauer absolvierte, bevor er zum Studium an die Musikhochschule nach Dresden ging, war und ist die möglichst breite Förderung des Gesangs. Als jüngstes Vorhaben steht an der Kölner Philharmonie in der Reihe „Singen mit Klasse!“ das Projekt „Kaugummi und Verflixungen“ an, das Schwarze zum Libretto des gleichnamigen Kinderbuchs von Andrea Karimé komponierte. Annähernd 300 Schülerinnen und Schüler werden Ende Mai daran mitwirken.

Der in den 1970er Jahren als freischaffender Komponist tätige und dem Theater Plauen eng verbundene Musiker trat 1979 in den Hochschuldienst an seiner ehemaligen Studienstätte ein und wirkte ab 1993 als Professor für Musiktheorie und Komposition an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden.

Dort haben ihm Weggefährten zum 65. Geburtstag ein Porträtkonzert gewidmet, das einen weiteren Schwerpunkt in Schwarzes Schaffen klangvoll betont; sein Solostück „Die zersprungenen Glocken“ weist explizit darauf hin: Seit vielen Jahren widmet sich Günter Schwarze dem Carillon sowie originellen Glockenspielen aus Glas und Meissner Porzellan. Er hat berühmte Instrumente etwa in der Böttgergasse in Bremen, im Dresdner Zwinger sowie am Rathaus von Weimar eingespielt und regelmäßig betreut.

Günter Schwarze, der seit 1988 Künstlerischer Leiter des Bläserkollegiums Dresden ist und zudem Vorsitzender des „Carl Maria von Weber“-Kreises Dresden sowie der Sächsischen Gesellschaft für Neue Musik ist, hat für seinen Ruhestand bereits klingende Pläne: So will er eine A-capella-Oper schreiben und bleibt der zu Herzen gehenden Musik damit sicherlich treu.

09.05.2014Rezensionen