Geschichten von heute erzählen

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Geschichten von heute erzählen

Fotos: Matthias Creutziger

Die Semperoper Dresden hat zwei wichtige leitende Positionen neu besetzt: Der Kaufmännische Geschäftsführer der Sächsischen Staatstheater, Wolfgang Rothe, der gleichzeitig auch die Funktion des Intendanten der Staatsoper Dresden wahrnimmt, stellte Ronald H. Adler als Künstlerischen Berater und Anna Melcher als Chefdramaturgin vor.
Christian Thielemann begrüßte die Neubesetzung: "Es freut mich, dass Ronald Adler verpflichtet werden konnte. Er verfügt über immense Erfahrung, ist bestens vernetzt und hat bewiesen, dass er auch in schwierigen Situationen in der Lage ist, ein großes Opernhaus künstlerisch auf Kurs zu halten."

Die Semperoper sei ein "intaktes Haus", befand Ronald H. Adler am Dienstag im Pressegespräch. Jetzt gilt es, gemeinsam mit der neuen Chefdramaturgin Anna Melcher rasch neue künstlerische Akzente zu setzen, nicht nur zu verwalten, sondern zu gestalten. Wolfgang Rothe sprach von einem Übergangsteam, das das Schicksal geschaffen habe, aber mitnichten sei das eine Notlösung: "wir sind gut aufgestellt". Gemeinsam wolle man Ideen entwickeln, wie zum Beispiel künftig mit der Abwesenheit der tourenden Staatskapelle umgegangen wird; es solle keine zufällig-willkürlichen Spielplanentscheidungen mehr geben, stattdessen soll die vermeintliche Schwächung – kein Strauss, kein Wagner möglich – als konzeptioneller Gestaltungsspielraum verstanden werden. Was die Oper angeht, will das neue Team mit in Dresden bekannten, aber auch mit neuen Regisseuren regelmäßigere Bindungen eingehen. Rothe will "Geschichten von heute" erzählen, sagte er. Wenn das in der Übergangsphase bis zum Antritt des neuen Intendanten gut gelingt, wäre der oder die Neue schlecht beraten, das Konzept des Übergangsteams wieder über den Haufen zu werfen.

Ronald H. Adler wurde in Chicago geboren und ist in San Francisco aufgewachsen. Als Sohn des langjährigen General Direktors der San Francisco Opera Company, Kurt Herbert Adler, wuchs er im Umfeld der Opernkultur auf. Ronald H. Adler studierte Musik und Geschichte an der University of California in Berkeley, Theaterwissenschaft in Köln und Geschichte und Drama am San Francisco State College. Seit den 70er-Jahren war er als Spielleiter an der Bayerischen Staatsoper tätig und inszenierte mehrere Werke am Opernstudio der Bayerischen Staatsoper. Außerdem inszenierte er am Theater Ulm und dem Theater Dortmund (»Zar und Zimmermann«), in der Opera Company of Philadelphia (»Il trovatore«), an der San Diego Opera (»Rigoletto«), »La Traviata« in Bloemfonteyn und »Le nozze di Figaro« in Belo Horizonte, Brasilien. Ab 1992 war er Mitarbeiter im Künstlerischen Betriebsbüro der Bayerischen Staatsoper und ab September 2001 Chefdisponent und Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros. Von 2002 bis 2007 wirkte er dort als Künstlerischer Betriebsdirektor, und von September 2006 bis Dezember 2008 war Ronald H. Adler Mitglied des Direktoriums der Bayerischen Staatsoper. Im Januar 2008 wechselte er zur Staatsoper Unter den Linden, Berlin, wo er bis Juli 2011 als Operndirektor tätig war und außerdem von Mai 2008 bis Juli 2010 auch Kommissarischer Intendant des Hauses.

Anna Melcher, in Krefeld geboren, studierte Germanistik, Philosophie, Politik und Jura an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und war dort Mitbegründerin der Uni-Theatergruppe »Gedankenstriche«. Sie arbeitete bereits vor dem 1. juristischen Staatsexamen und während des Referendariats am Kammergericht Berlin als Dramaturgieassistentin am Berliner Ensemble (u.a. für Christoph Schlingensief, Klaus Emmerich, Carl Hegemann), als Regie- und Dramaturgieassistentin an der Volksbühne Berlin (u.a. mit Jürgen Kruse), als Co-Redakteurin für das bei Kiepenheuer & Witsch verlegte Buch über Christoph Schlingensiefs Projekt »Chance 2000«, im Berliner Kultursenat und anschließend ein Jahr für die Berliner Staatsoper Unter den Linden als Mitarbeiterin des Geschäftsführers. Nach dem 2. Staatsexamen wurde sie 2000 persönliche Referentin der Opernintendantin der Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, Kirsten Harms. Ab der Spielzeit 2002/2003 war sie an den Städtischen Bühnen Osnabrück als Musikdramaturgin für Oper und Konzert engagiert, wo sie auch als Lehrbeauftragte im Fachbereich Musik der Universität Osnabrück tätig war. In der Spielzeit 2005/2006 war sie als Leitende Dramaturgin für das Musiktheater am Oldenburgischen Staatstheater engagiert, von 2006/2007 an war sie dort zwei Jahre als Künstlerische Mitarbeiterin des Intendanten und Dramaturgin für Oper und Schauspiel tätig. Seit 2008/2009 ist sie Chefdramaturgin und Stellvertreterin des Generalintendanten am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen.

07.05.2014Allgemein