Euphorisch: „Vollendung und Aufbruch“

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Euphorisch: „Vollendung und Aufbruch“

Jede Epoche hat ihre Musik. Ist die Musik damit ein Abbild der Zeit? Sind soziale Umbrüche auch musikalisch nachzuempfinden? Das 2008 vom Geiger Henrik Woll gegründete Projekt Kunstbogen befasst sich mit der Wechselwirkung von Kultur und Geschichte, soll den Bogen zwischen Kunst und Gesellschaft schlagen. „Ich will solchen Verbindungen nachspüren“, sagt der aus München stammende Musiker, der Mitglied der Staatskapelle Dresden ist und bereits in mehreren Veranstaltungen programmatisch auf das gegenseitig Befruchtende von Kreativität und deren Umfeld eingegangen ist. „Wenn wir den Hintergrund kennen, hören wir besser hin und erfahren viel mehr über Komponisten und deren Musik“, begründet er sein Engagement.

Heute Abend (Donnerstag, 27.3., 20 Uhr) widmet sich Kunstbogen unter dem Thema „Vollendung und Aufbruch“ der Geschichte des Streichquartetts in der Zeit von 1789 bis 1939. Mit diesen Eckdaten – Französische Revolution und der deutsche Überfall auf Polen – nimmt der Veranstalter Bezug auf Mozarts Quartett KV 575 sowie auf Béla Bartóks 5. Streichquartett. Zwischen diesem ersten sogenannten Preussischen Quartett, das Wolfgang Amadeus Mozart nach seiner Dresden-Visite am Hof des Preußen-Königs Friedrich Wilhelm II. komponierte, steht Ludwig van Beethovens ebenfalls nach einer Reise via Prag und Dresden entstandenes Streichquartett op. 18/1 aus dem Jahr 1800.

Wie Henrik Woll betont, würden mit dieser musikalischen Auswahl sowohl menschliche als auch geschichtliche Hintergründe beleuchtet. Denn der Weg aus der sich überlebt habenden Habsburger-Monarchie führe in die Musik der Moderne – und knüpfe im Fall von Bartók dennoch unmittelbar an Beethovens Einflüsse an. Untermauert werden die vom Jacobus-Stainer-Quartett interpretierten Werke mit Lesungen aus Beethovens Heiligenstädter Testament sowie aus Briefen von Mozart und Bartók. Mitwirkende sind neben Kammersänger Olaf Bär, der diese Texte vorträgt, Paige Kearl und Henrik Woll (Violine) sowie die Bratschistin Christina Biwank von der Dresdner Philharmonie und der Cellist Simon Kalbhenn.

Das Konzert „Vollendung und Aufbruch“ wird im DFG-Center für Regenerative Therapien der TU Dresden (CRTD) in der Fetscherstraße 105 stattfinden und ist von einer Euphoritek begleitet. „Das gehört beim Kunstbogen mit dazu“, so der Primarius am der Violine, „und beinhaltet erlesene Weine nebst weitere Erfrischungen.“ Den Akustiktest habe diese ungewöhnliche Spielstätte bereits bestanden, heißt es von der Initiative, zu deren musikalischen Ausflügen auch das Entdecken solcher Orte gehöre. Noch eine Besonderheit: Eintritt wird nicht erhoben, sondern vom Publikum nach eigenem Ermessen gegeben.

Ein Wiederhören mit dem Jacobus-Stainer-Quartett gibt es übrigens im September zu den Internationalen Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch.
 

www.kunstbogen.eu
Termin: 27.3., 20 Uhr, CRTD Fetscherstr. 105

27.03.2014Allgemein