Zen und die Kunst, einen Rennwagen zu warten

Kolumnen

Zen und die Kunst, einen Rennwagen zu warten

Dies ist die Geschichte von Sergej, dem Schrauber. Seine kleine Werkstatt in Donezk lief ganz gut. Die Kunden kamen in Scharen, brachten ihre Saporoshez, Lada Nivas, hin und wieder stand auch ein Wolga in Sergejs Bude.

Irgendwann suchte die große Oldtimer-Klitsche aus Irtkutsk-Nord einen neuen Geschäftsführer. Man fragte herum. Es musste schnell gehen, aber alle guten Mechaniker wollten in ihren Buden bleiben. Auch bei Sergej fragten Freunde an. Sergej, der Reifenbeißer, dachte: das ist der nächste Schritt. Er zog den Sonntags-Monteursanzug an und stellte sich den Geldgebern in Irkutsk vor. Stammelte etwas von kompletter Unterbodenwäsche und vielen Neukunden. Wie gesagt, es musste schnell gehen. Sergej bekam den Job.

In den folgenden Wochen hatte er viel zu tun in Donezk. Ständig pendelte er. In Irkutsk waren die Angestellten zurückhaltend. Sie wussten, was die Kunden wollten, und wollten niemanden verlieren. Sergej aber hatte einen Traum. Er wollte keinen Oldtimer-Laden führen. Er wollte Rennwagen herstellen! Er telefonierte viel in diesen Tagen, bestellte Teile, Preise waren egal. Den alten Onkel Wanja, der die Ölwechsel machte, fuhr er grob an: er sollte sich nicht mehr blicken lassen! Wanja wankte nach Hause. Die Blicke der Kollegen! Sergej sah weg.

Womit er nicht gerechnet hatte: da war dieser Verkäufer, Sascha. Sascha war der heimliche Star der Werkstatt. Gewinnendes Lächeln, die Kundinnen vergötterten ihn. Sascha sagte: Rennwagen in Irkutsk, so ein Quatsch. Es läuft doch gut. Und jetzt raus aus meinem Büro!

Langsam bekam Sergej kalte Füße. So ein Riesenladen, und all diese Probleme! Er verlor den Kopf, schrieb an die Geldgeber. Stellte ein Ultimatum. Schwärzte Sascha an. Die Geldgeber schluckten. Auf Sascha wollten sie nicht verzichten. Sascha mit den goldenen Händen. Sie warfen Sergej raus. Onkel Wanja durfte wiederkommen. Sascha grinste nur.

Einige Wochen später sahen sich alle vor Gericht wieder. Mit dem Vorschlag, das Gehalt bis zum Ende seiner Probezeit behalten zu können, wollte sich Sergej nicht einverstanden erklären. Das Gericht vertagte sich. Am 1. September gehts weiter.

26.03.2014Kolumnen