Noch nicht mal Kadarka…

Kolumnen

Noch nicht mal Kadarka…

Armin Ude (*1933)

Beim „U“ fallen mir überhaupt nur zwei Tenöre ein, Gerhard Unger und Armin Ude. Beide haben in Dresden gesungen, beide die Partie des David. Unger, 1916 in Bad Salzungen geboren, 2011 gestorben, Bühnendebüt 1947 in Weimar, zwei Jahre später Wechsel an die Berliner Staatsoper, habe ich persönlich nicht gehört, denn 1961 wechselte er nach Stuttgart. Seit 1951 war er regelmäßiger Gast bei den Festspielen in Bayreuth, seine Glanzrolle blieb der David in „Die Meistersinger von Nürnberg“, mindestens dreimal wurde er damit für Gesamteinspielungen verpflichtet, die Dirigenten waren Karajan, Kempe und Kubelik. Er war auch der David in der Dresdner Premiere, am 9. April 1950, im Großen Haus, Rudolf Kempe war der Dirigent. Auch er hat den David in Dresden gesungen, in der bereits mehrfach erwähnten Aufführung in der Semperoper, in der Inszenierung von Wolfgang Wagner, aus dem Jahre 1985. Der Tenor Armin Ude, 1933 in Weißenfels geboren. Er begann als junger Sänger am Kleist-Theater in Frankfurt/Oder, er war später hier noch als Gast, als Steuermann in „Der Fliegende Holländer“ zu erleben. „Mein“ erster Holländer 1963, aber da es sich um die Premiere handelte, ganz sicher nicht mit Armin Ude. Ich lernte diesen Sänger erst in Dresden, wo er nach Engagements in Cottbus und Magdeburg von 1968 bis 1992 dem Ensemble der Staatsoper angehörte, kennen und schätzen. Als David in der schon genannten Produktion in der Semperoper, zuvor aber schon als jungen Steuermann in der ebenfalls schon mehrfach erwähnten Inszenierung „Tristan und Isolde“ von 1975. Drei Jahre später, ebenfalls in Dresden, im Großen Haus, war er in Harry Kupfers „Tannhäuser“-Inszenierung der Minnesänger Walther von der Vogelweide. Armin Ude war ein höchst zuverlässiger Ensemblesänger, er war kein Star und trotz etlicher Gastspiele außerhalb der DDR, vornehmlich als geschätzter Konzert- und Oratoriensänger, niemals annähernd so berühmt wie seine Kollegen. Einmal, bei den Dresdner Musikfestspielen, im Juni 1985, da hat Armin Ude alle überrascht. Es gab damals noch Konzerte, um 22 Uhr, im Großen Haus. Das Haus war ausverkauft, aber nicht wegen des Dresdner Tenors, nein wegen eines schwedischen Tenors, dessen Weltkarriere schon seit Jahren von einem Triumph zum anderen führte, und die ihm als Liedsänger noch zu Beginn unseres Jahrhunderts volle Konzertsäle brachte. Kein geringerer als der schwedische Tenor mit russischen Wurzeln, der einen großen Teil seiner Kindheit in Leipzig verbrachte, Nicolai Gedda: er sollte erstmals in Dresden singen. Jedenfalls in einem Konzert, zu Aufnahmen mit der Staatskapelle war ja zuvor schon hier gewesen. Ausgerechnet dieses Konzert musste er kurzfristig absagen. Mutig übernahm es Armin Ude, für alle die ihre Karten nicht zurück geben wollten, einen Liederabend zu geben. Das Große Haus war gut gefüllt, mit etwas Verspätung begann das Konzert, die Stimmung war gut. So kurz nach Mitternacht war das Konzert zu Ende, da sank die Stimmung, das hatte nichts mit Armin Ude zu tun, man war halt in Dresden, und um diese Zeit gab es keine Möglichkeit, auf diesen außergewöhnlichen Abend wenigstens mit einem Glas Hemus oder Rosenthaler Kadarka anzustoßen! 

Bei Eterna gab es auch eine Schallplatte mit Armin Ude und der Staatskapelle unter der Leitung von Hans Vonk, „Una furtiva lagrima“, Arien und Duette, dabei Ute Selbig und Andreas Scheibner. Und Armin Udes Nemorino in Donizetti „L´elisir d´amore“, damals, natürlich deutsch gesungen, im Großen Haus, mit Helga Termer als Adina, konnte sich hören lassen; ich hab´s mehrfach gehört…

10.11.2013Kolumnen