Es blieb beim Vorspiel

Kolumnen

Es blieb beim Vorspiel

Ruggiero Orofino

Beim „O“ wird´s knapp. Kann sein, dass ich den italienischen Tenor Ruggiero Orofino, damals im Ensemble der Berliner Staatsoper, mal als Lohengrin in einer der Aufführungen der alten Inszenierung von 1958, als sie ab 1964 aufgefrischt erneut ins Repertoire kam, gehört habe. Eine bleibende Erinnerung gibt es trotzdem nicht, obwohl ich diese Aufführung mehrfach besucht hatte. Eigentlich aber immer wegen der wunderbaren Sängerinnen, das muss man sich mal vorstellen, als Elsa, Celestina Casapietra, Leonore Kirschstein, Eva-Maria Straussová oder Anna Tomova-Sintow, als Ortrud Ludmila Dvorakova, Sigrid Kehl, Ingrid Steger und Ingeborg Zobel. da hatten es die Herren nicht so leicht.

Auch er gehörte nicht zu den großen Wagnersängern, er war kein Star, aber er war ein Ensemblesänger, immer präsent, zuverlässig, ich meine ebenfalls im Berliner Ensemble der Staatsoper, den Bassbariton Peter Olesch. Sein Weg aus Oberschlesien führte über die Volksmusikschule Freital an die Musikhochschule in Dresden, er war Schüler von Elsbeth Plehn und Rudolf Bockelmann, soweit mir bekannt ging er gleich nach Berlin und blieb dort wohl mehr als 30 Jahre im Ensemble. Ich habe ihn hier mehrfach erlebt, eine kräftige, sonore Stimme, bestens geeignet für Partien wie Kothner in „Die Meistersinger von Nürnberg“, hatte er auch zwischen 1974 und 1979, unter der Leitung von Christian Kluttig in Karl-Marx-Stadt gesungen, er war 1977 in Berlin der Bitterolf im „Tannhäuser“, als Spas Wenkoff sein Berliner Debüt gab.

Und natürlich, Peter Olesch, 1999, als Alberich in „Das Rheingold“, in der sagenhaften Inszenierung von Ruth Berghaus in der Ausstattung von Marie-Luise Strandt mit dem Horizont der „Gescheiterten Hoffnung“ nach Caspar David Friedrich. Es sollte ein neuer Ring werden, es blieb beim Vorspiel, und auch das erlebte nur drei Aufführungen. Gescheiterte Helden passten nicht ins kulturpolitische Opernbild der DDR. Peter Olesch singt in der Einspielung der Oper „Puntila“ von Paul Dessau, unter der Leitung des Komponisten in einer Aufnahme von 1968, die es als CD bei Berlin Classics gibt.

Beim „O“ denke ich immer wieder an die Sopranistin Ingeborg Otto, sie sang kleinere Partien in Wagneropern in Stralsund und in Schwerin, aber ich habe diesen feinen, klaren Sopran in der Erinnerung, und so Ende der 70er Jahre fuhr man schon mal nach Schwerin, da galt es Entdeckungen zu machen, „Tannhäuser“ unter Christian Kluttig oder Peter Güllke, 1983 „Das Rheingold“ unter Johannes Winkler, die Fortsetzung habe ich dann nicht mehr erlebt.

09.10.2013Kolumnen