Wege zur Musik

Kolumnen

Wege zur Musik

Unterwegs zur Musik ist Scheitern nicht ausgeschlossen. Kartenpreise bis hin zu dreistelligen Beträgen, das lässt die Lust am Laster gleich mehrfach in Frage gestellt sein. Aber auch die Wege zur Musik bieten gewisse Hürden. Zum Beispiel Semperoper und Staatskapelle: Wer mit dem Auto kommt, fährt erst einmal ums Haus herum, parkt unterirdisch und geht zu Fuß wieder unter freiem Himmel durch Dunkelheit, Regen und/oder Schnee zurück. Beispiel Kulturpalast: Der hat die Tiefgarage vor der Tür, aber auch keinen überdachten Anschluss dorthin. Das soll sich jetzt ja ändern, hört man, in den kommenden Jahren.

Apropos Dresdner Philharmonie – wo spielt sie denn gerade? Jedes Konzert eine kleine Herausforderung für das Orchester und dessen Publikum. Logistisch durchaus reizvoll, wenn nicht gerade die Elbe überquert werden muss. Dresden macht es bekanntlich all jenen besonders schwer, die zum Kunstgenuss die Ufer wechseln müssen. Es hat sich zwar herumgesprochen, ist aber keineswegs hilfreich, dass nirgendwo auf der Welt Brücken so trennen können wie in der sächsischen Landeshauptstadt. Das gilt inzwischen nicht nur für Neubauten, sondern in ähnlicher Weise für sanierungsbedürftige Altlasten. Deren Baubeginn ist vom provinziellen Parteiengeklüngel abhängig, womit wir leider schon wieder bei der sich liberal gebenden Harakiritruppe wären. Kein Licht am Ende des Tunnels? Wer abgewählt ist, sollte den Hut nehmen.

Aber dann wären die vor allem an Schildbürger erinnernden Diskussionen um Verkehrsprojekte womöglich noch trauriger, weil nicht mehr von Absurditäten gewürzt? Beispiel Königsbrücker Straße – sie haben es tatsächlich getan! Sie? Dilettanten, Versager, unberufene Entscheider, vielsagende Versteh-ich-nich-Wichte, rangelnd mit den Das-hammer-schon-immer-so-gemacht-Fraktionen …

Sie haben es getan, die Königsbrücker Straße weitgehend zur Tempo-30-Zone zu deklarieren, ganz still und heimlich ohne große Diskussion. Umso überraschender dürften schon bald die ersten Blitzer zum Abkassieren auftauchen. Tempo 30 auf einem der wichtigsten Zubringer zum Flugplatz von Klotzsche, genannt „Dresden International“, das ist grandios! Nicht ganz so schnell schreitet die Sanierung dieser Piste voran, die ziemlich zuverlässig für Reifen- und Stoßdämpferverschleiß Sorge trägt. Seit ich in Dresden verkehre, wird über den Umbau der augusteischen Magistrale diskutiert, inzwischen sind die politischen „Fachleute“ bei Variante „7m“ angelangt (italienische Automobile bekommen so ein „m“ für „modificato“ angehängt, das bedeutet meist einen ziemlichen Fortschritt). Die Königsbrücker Straße, so spaßig all die Diskussionen darüber auch sind, sollte man am besten nicht anrühren. Alles so lassen, wie es immer schon war, ist Dresdens feste Tradition. Und bei jeder Fahrt vom Stadtzentrum zum Festspielhaus Hellerau und wieder zurück ist es so lustig, den Verkehr zu beobachten. Egal aus welcher Perspektive, ob Fußgänger, Radfahrer, Insassen von Autos oder von Straßenbahnen – alle haben viel zu lachen, man sollte nix daran ändern. Das beliebteste Spiel ist die Behinderung aller anderen, wobei das Rechtsfahrgebot außer Kraft gesetzt zu sein scheint. Immer schön mittig, dann kommt keine Bahn dran vorbei. In Hellerau hat deswegen schon so manches Konzert etwas zeitversetzt angefangen. Man arrangiert sich – und das ist auch gut so.

04.10.2013Kolumnen